Jazz Moves Schnack

JAZZ MOVES SCHNACK: DIRK ACHIM DHONAU

Stephanie Lottermoser

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0:00 | 35:20

Der Schlagzeuger Dirk Achim Donau lebt seit seinem zehnten Lebensjahr in Hamburg und ist der Stadt und ihrer Szene stets treu geblieben.

Als Bandleader und Sideman, als Lehrer und Dozent, als Bindeglied zwischen verschiedenen stilistischen Szenen und Generationen, aber auch als jemand der Impulse in die Szene gibt, sie weiterentwickelt und immer neugierig bleibt. 2023 wird er für seine künstlerische Tätigkeit, seine Experimentierfreude und sein Engagement mit dem Hamburger Jazzpreis ausgezeichnet.

Im Schnack erzählt er was ihm der Preis bedeutet, wie er die Hamburger Szene über die Jahre erlebt und mit gestaltet hat und was ihn immer noch inspiriert.

Weiterführende Links: https://dirkachimdhonau.de/

JAZZ MOVES SCHNACK - der Podcast von Jazz Moves Hamburg über Jazz und darüber hinaus, moderiert und produziert von Stephanie Lottermoser.

SPEAKER_01

Ich habe eigentlich, ja, ich glaube, immer kontinuierlich irgendwie gearbeitet und habe immer versucht, irgendwie interessante Projekte zu machen. Das war halt sozusagen so eine langsame kontinuierliche Entwicklung und ich meine, die ist eigentlich bis heute so durchgegangen.

SPEAKER_00

Ihr hört den Jazz Moves Schnack mit Stefanie Lottermoser.

SPEAKER_03

Moin und herzlich willkommen zum Jazz Moves Schnack. Mein Name ist Stefanie Lottermoser und ich freue mich, dass ihr dabei seid. Im Podcast Jazz Moves Schnack spreche ich mit spannenden Gästen über Jazz und alles, was außen herum dazugehört. Zum Beispiel den Werdegang eines Künstlers oder einer Künstlerin über Beobachtungen der verschiedenen lokalen Szenen, Veröffentlichungen, Veranstaltungen, Preise, aber auch eben das ganze drumherum und hinter der Bühne, wie zum Beispiel im Booking, Marketing oder im Ehrenamt, das den Jazzbereich in Deutschland maßgeblich mitgestaltet. Ein Fokus liegt dabei natürlich auch immer auf der lokalen Hamburger Musikszene, und ich habe heute einen Gast, der schon sehr lange hier lebt, sehr viele Projekte selbst angestoßen hat, in mindestens ebenso viele als Sideman eingebunden ist, sich ehrenamtlich engagiert und über viele der eben genannten Punkte berichten kann. Außerdem, oder auch gerade deswegen, ist er frischgebackener Preisträger des Hamburger Jazzpreises 2023. Herzlichen Glückwunsch und herzlich willkommen, Dirk Achim Donau.

SPEAKER_01

Hallo Stefanie, freut mich sehr, bei dir im Podcast zu Gast sein zu dürfen.

SPEAKER_03

Vielen Dank, schön, dass du dir die Zeit genommen hast.

SPEAKER_01

Na klar.

SPEAKER_03

Wir müssen dazu sagen, wir sind jetzt heute einen Tag vor der offiziellen Bekanntgabe der Preisverleihung. Wie hast du denn davon erfahren und wie hast du darauf reagiert oder wem hast du es als erstes erzählt?

SPEAKER_01

Also ich habe es per Anruf erfahren vom Jazzbüro. Reka Xorba hat mich, die Geschäftsführerin hat mich angerufen. Und ich habe schon gedacht, okay, das Jazzbüro ruft mich an, was ist los? Mein erster Gedanke war, okay, ich habe vielleicht irgendwas, oder es gibt irgendwas zu besprechen, oder vielleicht irgendwas Organisatorisches, vielleicht das eine oder andere oder irgendeine Auskunft oder so, kann ja sein. Naja, aber dann machte sie so, redete sie so ein bisschen drumherum und meinte dann, ja, was ich denn gerade machen würde. Und dann meinte ich, ja, ich fahre gerade im Auto. Und dann meinte sie, ja, dann fahr doch mal rechts ran. Und dann habe ich so ein bisschen schon ein bisschen, also ein ganz kleines bisschen geahnt, dass es vielleicht in diese Richtung gehen könnte. Und dann bin ich also auf den Parkplatz gefahren und dann hat sie mir also eröffnet, dass ich tatsächlich dann diesen Jazzpreis, Hamburger Jazzpreis, bekommen soll. Und die Jury sich also für mich entschieden hätte. Und da war ich natürlich schon, muss ich sagen, ja, also sehr. Ich habe mich gefreut, aber ich war auch zugleich auch schon gleich bewegt. Und ja, also ich brauchte einfach wirklich auch ein Weilchen, das wirklich zu verarbeiten. Ich bin auch immer noch dabei. Es ist ja jetzt schon, ich weiß nicht, wann hat sie mir das erzählt? Ich glaube, am 5. April oder 4. April habe ich den Anruf bekommen. Diese Zeit hier bis jetzt, also bis auf diesem Veröffentlichungstermin und man darf es niemandem erzählen und so, das ist schon eine merkwürdige Situation. Ich meine, ich habe es natürlich mit meiner Freundin, meiner Lebenspartnerin, mit der habe ich drüber gesprochen. Und dann haben mich netterweise zwei Leute aus der Jury angerufen. Und die meinten, ja, die waren ja in der Jury, wir dürfen ja auch darüber reden. Und dann haben die mir halt schon mal gratuliert und so, das hat mich natürlich auch gefreut. Und genau, und seitdem arbeitet es sich sozusagen innerlich bei mir und ich versuche das einzuordnen. Und auch diesen mit diesem Fokus, der ja dann auf einen zukommt, umzugehen. Das ist nicht so meine große Stärke, muss ich gestehen.

SPEAKER_03

Ich möchte mal kurz den Hörern und Hörerinnen ein paar Sätze zum Hamburger Jazzpreis vorlesen, damit auch alle, wir haben sehr viele Hörer tatsächlich auch in ganz Deutschland verteilt und auch im Ausland, damit die Menschen das kurz einordnen können, um was es da geht. Der Hamburger Jazzpreis zeichnet alle zwei Jahre MusikerInnen aus, die einen besonders qualifizierten künstlerischen Beitrag zur Jazzmusik in Hamburg geleistet und sich für die Belange des Jazz in der Stadt eingesetzt haben. Der Preis wurde 2007 von der Dr. E. A. Langner Stiftung ins Leben gerufen und ist mit 10.000 Euro dotiert. 2011 wurde die Trägerschaft an die Elpjazz GmbH übertragen. 2017 hat das Jazzbüro Hamburg die Ausrichtung des Preises übernommen. Elpjazz bleibt Gastgeber der Preisverleihung. Du wirst den Preis also beim diesjährigen Elpjazz Festival am 9. und 10. Juni bekommen. Das kann man sich schon mal vormerken. Und du hast gerade schon erwähnt, das ist manchmal nicht so ganz Ding, so im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. Und ich habe auch bei meinen Vorbereitungen auf dem Podcast natürlich auch im Internet gesucht, was ich so über dich finden kann, neben CD-Aufnahmen natürlich, damit ich auch weiß, was ich dich fragen kann. Und auf jeden Fall habe ich mich gefragt, also ich habe eine Facebook-Seite von dir gefunden, aber sonst an Social Media nicht so richtig viel. Und ich glaube auch keine Homepage, wenn ich das richtig sehe. Wo können denn jetzt die Leute, die dir gratulieren wollen, wie können die dich überhaupt erreichen?

SPEAKER_01

Naja, also ich muss schon sagen, es läuft viel über Facebook. Also wenn irgendwas Besonderes passiert, dann poste ich das in der Regel bei Facebook. Also wenn ich jetzt ein Konzert habe oder irgendwie, oder dann mache ich manchmal erstelle ich eine Story und so weiter. Mach so Sachen, das mache ich dann bei Facebook. Und ansonsten, ich hatte auch früher so E-Mail-Verteiler gemacht und so, aber meistens läuft es dann über Facebook eigentlich. Und ich weiß jetzt noch nicht, was jetzt. Ich meine, morgen wird es ja wahrscheinlich sowieso dann irgendwie auf verschiedenen Kanälen. Und die Leute werden das, denke ich mal, sowieso irgendwie mitkriegen. Und der ein oder andere wird sich dann wahrscheinlich über Facebook bei mir melden oder mich vielleicht auch anrufen, keine Ahnung.

SPEAKER_03

Bevor wir weiter über deine Karriere sprechen, möchten wir dich einmal kurz vorstellen. Dirk Achim Donau und 30 Sekunden. Hier ist Felix Tennbaum.

SPEAKER_00

Dirk Achim Donau wurde 1960 in Duisburg geboren. Er studierte klassisches Schlagzeug und Jazz, beides in Hamburg. Außerdem nahm er Gesangs- und Schauspielunterricht. In seiner Karriere schlägt er stilistisch einen großen Bogen. Von Jazzrock und Hardbob über freie Improvisation, experimentelle Musik bis zur Theaterarbeit. Darüber hinaus ist er als Schlagzeugdozent tätig. Er engagiert sich seit vielen Jahren außerdem ehrenamtlich in verschiedenen Hamburger Initiativen für die Jazz-Szene und prägt und unterstützt diese damit nachhaltig.

SPEAKER_03

Und zusätzlich möchten wir gerne einen Auszug aus der Jurybegründung für den Hamburger Jazzpreis vorlesen.

SPEAKER_00

Dirk prägt seit vielen Jahren die Hamburger Jazzszene mit. Er ist künstlerisch brillant, energetisch und offen und schlägt damit eine lebendige Brücke zwischen den Generationen. Gerade hat er sein neues Quartett mit Annalena Schnabel begründet, das seine musikalische Extra-Klasse unterstreicht. Dirk bleibt musikalisch jung, weil er sich in allen Szenen und allen Generationen zu Hause fühlt. Besonders für die Jüngeren ist er enorm wichtig, weil er ihnen seinen Erfahrungsschatz zur Verfügung stellt und damit stetig auch den Nachwuchs im Hamburger Jazz mitprägt.

SPEAKER_03

In deinem Lebenslauf ist mir aufgefallen, dass du eine Ausbildung zum Schauspieler und Sänger gemacht hast. Wie ist es denn dazu gekommen und was fasziniert dich daran?

SPEAKER_01

Theater hat mich eigentlich schon immer interessiert. Eigentlich, das fing eigentlich schon relativ früh an. Ich habe dann aber eine Zeit lang, also bin ich dann richtig mit Theaterpraxis in Kontakt gekommen über den Schauspieler Dominik Horwitz, mit dem ich jahrelang in seinem Jacques Brell-Programm gespielt habe. Das läuft auch immer noch. Also wir haben jetzt irgendwann im Juni auch wieder tatsächlich mal wieder ein Konzert nach langer Zeit. Und ich war auch immer ein großer Fan von ihm. Und dann irgendwie habe ich so gedacht, okay, ich will da irgendwie in der Richtung mal was probieren. Und hab dann, also hab dann halt so einen privaten, meine damalige Freundin, die hatte mich auch dazu nochmal irgendwie, mich dann auch nochmal bestätigt. Also ich soll das doch mal, mir das mal anschauen. Und dann habe ich halt zwei Jahre lang so an, also für Laienschauspielkurs gemacht, ne? Also jetzt nicht irgendwo an, also das war aber wirklich, ich fand es sehr interessant und Wahrnehmung und so weiter und wie reagiert man aufeinander. Also gibt es da so bestimmte Mechanismen und auch, was man auch lernen kann. Und das fand ich einfach spannend und genau, und dann habe ich also in verschiedenen, dann habe ich auch tatsächlich so ein paar Aufführungen gemacht. Das steht auch in meinem Lebenslauf dann drin, in verschiedenen Projekten mit einer, auch die selber auch Musik schreibt, Eva Engelbach, die hat dann so Stücke für Kinder geschrieben und dann da habe ich also mit zwei Produktionen mitgespielt und hab auch gespielt und gleichzeitig Musik gemacht. Also das war so, das waren ganz schöne Sachen. Und später bin ich dann halt nochmal an eine andere Regisseurin geraten, die Isabelle McEwen, mit der ich also wirklich sehr viele, also ich glaube fünf Stücke oder so in den letzten Jahren auch gemacht habe. Ich fand das immer reizvoll, auch überhaupt diese ganze interdisziplinären Sachen mit Texten und Musik, mit Literatur und Musik, Jazz, Improvisation und ich habe auch über einen guten Freund, der jahrelang ganz viel macht und heute auch noch macht, der Vlad Kukuschan, das waren so sehr inspirierende Leute, die mich sozusagen irgendwie in diese Richtung mich da auch so ein bisschen gebracht haben. Und ich fand immer diesen Grenzbereich halt einfach auch spannend. Ich habe das eigentlich auch nie in Frage gestellt, ich habe es einfach gemacht.

SPEAKER_03

Ich könnte mir vorstellen, dass die Auseinandersetzung mit Schauspiel einen auch als Musiker oder Musikerin dazu bringt, auch anders auf der Bühne zu stehen einfach, weil du ja einen anderen Unterricht bekommst und das einfach deinen Blick auf die Bühne vielleicht nochmal ein bisschen, weiß ich nicht, schärft oder vergrößert und man da einfach einen guten Einfluss mitnehmen kann.

SPEAKER_01

Ich denke auch. Also da gibt es auf jeden Fall Parallelen. Und das hat natürlich auf jeden Fall, ich meine, wenn man jetzt also als Jazzmusikerin oder als Jazzmusiker auf der Bühne steht, man muss ja auch verbal kommunizieren können, das gehört ja auch dazu. Man muss Ansagen machen, man stellt die Musikerinnen vor und so weiter. Also so eine gewisse Kommunikationsfähigkeit gehört ja auch dazu. Ja, das gibt es natürlich in der Musik, aber das findet man eben auch so in, ich weiß nicht, so alltäglichen Situationen. Also es nützt eigentlich irgendwie für vieles einfach, auch so im Alltag einfach. Einfach Situationen, Blick für Situationen zu kriegen oder auch ein Verständnis zu entwickeln. Auch für theatralische Prozesse oder sowas. Also das hat mich einfach interessiert, interessiert mich auch immer noch. Aber es gibt eben auch diese Fokussierung auf der anderen Seite dann wieder aufs Musikalische, also wo ich dann sage, also okay, ich mache jetzt da einfach, konzentriere mich jetzt auf eine Sache und versuche jetzt einfach mal im Moment, und das ist im Moment eher oder in letzter Zeit mehr so gewesen, dass ich den Fokus eben mehr auf das Musikalische gelegt habe. Ja, ich versuche mehr zu schreiben, ich versuche, möchte Proben und Konzerte spielen und ja, genau, das ist im Moment so ein bisschen mehr der Fokus halt.

SPEAKER_03

Naja, ist ja auch toll, dass du diese breite Palette für dich hast und irgendwie daraus schöpfen kannst, je nachdem, was sich gerade am besten für dich anfühlt. Du engagierst dich ja wirklich schon seit vielen Jahren für die Szene in Hamburg. Du warst unter anderem schon bei der ersten Ausgabe des Jazz Open Festivals dabei, das war 1995. 1996 wurde ja auch durch diesen Anstoß das Jazzbüro Hamburg, der Jazzbüro Hamburg e.V. gegründet. Und eines der ersten Mitglieder im Jazzbüro Hamburg e.V. war der Jazzhausverein, in dem du auch schon zweimal sogar im Vorstand warst. Was war denn dein Anstoß, dich in der Stadt und in der Szene einzubringen und zu versuchen, neue Impulse zu geben?

SPEAKER_01

Es war zu dieser Zeit damals, also als ich angefangen habe zu studieren, ich glaube, es war 87 oder so. Das war, glaube ich, der zweite Jahrgang an der Hochschule damals. Also ich weiß nicht mehr genau, 86 war, glaube ich, der erste oder so. Ich weiß es nicht genau. Also auf jeden Fall war die Szene ja sehr klein. Und es gab nicht viele Spielorte. Es war schwierig, Konzerte oder mal in größere Venues reinzukommen, war quasi ausgeschlossen. Also Fabrik oder so. Oder auch mal im NDR aufzutreten, war sehr, sehr schwierig, wenn nicht, gerun unmöglich. Und dann kam es halt irgendwie, kam so in der Community damals halt so ein bisschen Unzufriedenheit auf und auch und dann schloss man sich halt zusammen und hat überlegt, ja, wie können wir das ändern? Was können wir da tun? Und ich muss sagen, also ich war jetzt ein Mitinitiator, aber es gab damals jemanden, der das dann hauptsächlich in erster Linie ins Leben gerufen hat, das war Dirk Blese, ein Pianist, der auch in Hamburg lebt. Und der hat das halt mit angestoßen und da waren unheimlich viele noch dabei, also die heute auch noch aktiv sind, damals Buggy und viele Musiker und Musikerinnen, die da sozusagen, hat man sich in großen Gruppen getroffen und Meetings gemacht und so und geplant und dann ist halt sozusagen dieser Verein entstanden und ach so und diese Jazzbüro-Geschichte war im Grunde auch eine Initiative aus der Anfangszeit von Jazzhaus. Das ging auch auf eine Initiative tatsächlich von Jazzhaus zurück. Also jetzt nicht auf meine Person, aber auch von dem Verein. Und dann wurde das Jazzhaus, also dieser Verein oder diese Jazzbüro Hamburg quasi gegründet und dann wurde auch jemand gesucht für die Geschäftsführung und so. Ich erinnere mich noch, ich war ja nicht selbst dabei, aber da gab es tatsächlich so ein Vorstellungsgespräch und so. Also das war also das war ja dann die Gabriele Benedics, die das ja auch sehr lange gemacht hat. Und naja, und dann hat sich das mit der Zeit dann so entwickelt und etabliert. Und es wurde jetzt, glaube ich, jetzt eine feste Größe in der Kulturlandschaft, was ich auch total klasse finde. Also, dass sich das, also dass das jetzt so lange Zeit so toll entwickelt hat. Ich mochte an der Vereinsarbeit einfach diesen Kontakt mit den anderen Kollegen and Kolleginnen. Und ich fand es einfach spannend, da was zu bewegen und irgendwie Pläne zu schmieden und Sachen umzusetzen und so.

SPEAKER_03

Es hat ja auch dazu geführt, dass du in der Stadt geblieben bist. Ich weiß nicht, ob wenn diese Pläne damals nicht aufgegangen wären. Hattest du auch mal überlegt, woanders hinzugehen in der anderen Stadt? Ja, ja, klar.

SPEAKER_01

Also ich hatte mehrere Anläufe nach Berlin zu gehen, aber irgendwie hat es dann irgendwie nicht hingehauen, also aus irgendwelchen Gründen. Und ich glaube, ich hänge tatsächlich ein bisschen sehr an Hamburg. Es gab dann nochmal eine Zeit, irgendwann so 2015, 2016, wo ich dann auch ernsthaft nochmal überlegt hatte. Und irgendwie hat es dann aber auch nicht funktioniert. Und dann habe ich aber auch irgendwann gedacht, mein Gott, also es muss jetzt auch nicht unbedingt Berlin sein. Und ich hatte auch hier eigentlich wirklich tolle Sachen zu tun und es war hier auch spannend und deswegen bin ich jetzt auch nicht traurig, dass ich nicht nach Berlin gegangen bin.

SPEAKER_03

War damals eigentlich die erste Ausgabe des Jazz Open Festivals? War die auch schon in Planten und Blumen?

SPEAKER_01

Ja, die hieß aber damals noch nicht Jazz Open, glaube ich. Die hieß irgendwie anders. Nee, das allererste Mal war tatsächlich irgendwie eine, das hat, glaube ich, das Birdland das erste Mal veranstaltet. Oder in Zusammenarbeit mit dem Birdland. Das war auch noch mit Eintritt, das allererste Mal. Da war das Gelände irgendwie eingezäunt und sowas war gerade ein bisschen komisch. Und das Mal darauf war das, das war dann Jazzbüro-Veranstaltung. Und dann war es halt auch mal kostenlos und genau.

SPEAKER_03

Das wird übrigens für die Hörer und Hörerinnen dieses Jahr am 2. und 3. September stattfinden. Also ihr könnt ganz entspannt beide Festivals besuchen. Wenn Dirk den Preis verliehen bekommt auf dem Alp Jazz und dann kommt ihr am besten im September auch noch direkt aufs Jazz Open. Weil eben Jazz in Hamburg passiert und Dirk ist ein Grund dafür, weil er viel dazu beigetragen hat über die Jahre. Und auf dem Alp Jazz-Festival wirst du ja nicht nur den Preis verliehen bekommen, sondern du wirst ja natürlich auch auftreten, damit die Leute auch wissen oder einen Eindruck oder einen Ausschnitt davon zu sehen und hören bekommen, was du so machst. Mit welcher Band wirst du da spielen und was ist das für ein Projekt?

SPEAKER_01

Ja, also die Band heißt ganz profan Dirk Achim Donau Quartett. Und es ist eine Gruppe, die also klassische Jazzbesetzung, also Schlagzeug, Kontrabass, Klavier, Altsaxophon bzw. Flöte. In der Besetzung, also mit Lukas Klapp am Piano, Annalina Schnabel Saxophon und Tilman Oberbeck am Bass. Wobei jetzt leider am 10. Juni der Lukas Klapp leider nicht kann. Das ist sehr schade, aber wir haben schon einen tollen Ersatz gefunden, nämlich Matti Winitski wird bei uns dann da einspringen. Und genau, und wir werden quasi, wir hatten neulich ein sehr schönes Konzert im Fatjazz, in der Fatjazz-Reihe. Das war am, ich weiß das Datum jetzt nicht mehr, vor drei Wochen etwa. Und das war wirklich ein toller Abend. Also es hat super funktioniert und ich war ganz glücklich mit den, also mit dem Ergebnis war ich sehr zufrieden. Und dann bot es sich natürlich auch an, das jetzt mit dieser Band zu machen. Und jetzt müssen wir natürlich gucken, mit, müssen wir nochmal ein paar Probentermine finden.

unknown

Ja.

SPEAKER_01

Was nicht immer so einfach ist.

SPEAKER_03

Das stimmt. Und so lange ist er dann auch schon gar nicht mehr hin. Jetzt ist es schon Ende Abend.

SPEAKER_01

Nee, aber es ist alles in Arbeit und ich gehe davon aus, dass es alles funktionieren wird.

SPEAKER_03

Und spielt ihr da ausschließlich deine Musik?

SPEAKER_01

Also bei dem Anlass ja. Ja. Also beim Konzert hatten wir auch hauptsächlich meine Stücke, aber wir hatten noch drei Stücke von, also jeweils eins von Lukas, eins von Tillmann, eins von Annalena gespielt. Und aber wir spielen ja da auch kürzer beim AJS. Das heißt, wir werden da also ein Programm, was jetzt eben dann hauptsächlich, also, oder nur von mir dann eben ist. Aber es geht so ein bisschen durch die Zeiten. Das sind teilweise, es sind zwei Stücke dabei, die sind älter. Und dann geht das so ein bisschen, wird es immer aktueller gegen Ende hin. Also es ist jetzt gar nicht so frei oder so. Ich meine, ich habe ja auch viel so freie Musik gemacht und es gibt sozusagen frei improvisierte Elemente, aber ansonsten ist das schon eigentlich sehr strukturiert und harmonisch, rhythmisch, ganz interessant und natürlich auch durch die Solistinnen geprägt, die ja auch toll sind.

SPEAKER_03

Du hast ja noch mehrere andere aktuelle Projekte, zum Beispiel das Tiny Electric-Trio mit Kalle Kalima und Gabriel Coburger. Das klingt auch sehr aufregend. Gibt es da Pläne, von denen du den Hörern und Hörern erzählen möchtest?

SPEAKER_01

Wir haben jetzt am 31. Mai beim Fatjazz ein Konzert in der Besetzung. Und da soll dann auch eine Aufnahme gemacht werden. Also die Konzerte werden ja sowieso oft dann mitgeschnitten. Und dann machen wir sogar am Tag vorher, glaube ich, am Nachmittag dann richtig eine, so eine Art Studioaufnahme da. Und dann soll irgendwie was auch mal, ich weiß nicht, ob es ein Album wird oder einfach nur ein Demo, das ist im Moment noch nicht klar, aber es soll auf jeden Fall was aufgenommen werden.

SPEAKER_03

Aber bei dem Fetchers-Konzert kann man quasi dabei sein.

SPEAKER_01

Genau, also abends ist ein ganz normales Konzert.

SPEAKER_03

Weil das ist ja auch immer spannend, wenn man die Möglichkeit hat, mal bei einem Konzert dabei zu sein und dann im Nachhinein auch noch wirklich das Live-Erlebnis nochmal irgendwie so für sich nachzuhören. Passiert ja auch nicht alle Tage so für das Publikum. Und das ist auf jeden Fall eine sehr spannende Besetzung.

SPEAKER_01

Auf jeden Fall.

SPEAKER_03

In Hamburg spielst du außer mit Gabriel Coburger auch unter anderem noch mit Lisa Stick oder mit Clemence Manachere. Und in der Multiphonics-Reihe bist du sehr stark involviert, da geht es um freie, improvisierte Musik und Performance.

SPEAKER_01

Ja.

SPEAKER_03

Also man merkt, dass du in verschiedenste Richtungen aktiv bist.

SPEAKER_01

Ja, das kommt auch ein bisschen daher, weil Hamburg hat ja eine sehr vielfältige Szene. Also es gibt dann teilweise, es gibt also sogenannte Jazzszene, dann gibt es die freie Szene, dann gibt's oder die improvisierte Musikszene. Also teilweise ist das auch so ein bisschen so getrennte Lager. Ich weiß nicht, ob du das schon so ein bisschen gesehen hast manchmal. Oder gibt es halt dieses Blurred Edges Festival zum Beispiel, wo die sehr eher so den Schwerpunkt auf experimentelle Musik machen. Und irgendwie war das halt für mich immer irgendwie normal, dass ich so irgendwie, also nicht nur das eine mache, sondern auch irgendwie, ich war immer so, ich kannte auch die Leute irgendwie gut und es war, also ich hatte immer in verschiedene Lager, so Verbindungen.

SPEAKER_03

Also warum denn auch nicht? Es ist ja nur bereichernd, wenn man verschiedene Einflüsse in sich aufnehmen kann. Und ich finde es manchmal gerade am Jazz erstaunlich, wie viel so Schubladen denken dann doch da ist, obwohl das ja eine vermeintlich eigentlich sehr freie Musik ist, die sich ja auch immer dadurch weiterentwickelt hat, dass die Einflüsse von außen in sich aufgenommen und weiterentwickelt hat. Und deswegen kann ich das auch nur unterschreiben, was du da sagst, obwohl ich selber viel weniger als du mich in unterschiedlichen Gebieten auch so ausgetobt habe, aber zumindest sind das immer Einflüsse, die ich gerne mit aufnehme und die ich mir auf jeden Fall immer anhöre, weil ich es einfach total spannend finde.

SPEAKER_01

Also ich komme ja auch eher eigentlich dann letztlich mehr eben aus dem, ich würde mal sagen, Sagen in gewisser Weise, um es jetzt mal böse zu sagen, auch ein bisschen aus dem Mainstream oder aus Hochschulumfeld und so ist das Spielt auch heute. Ich meine, wie gesagt, Klammer aus Malachere und diese vieles Lisa Stick, die kenne ich alle irgendwie über die Hochschule, also wo ich ja da selber nicht schon lange nicht mehr bin, aber irgendwie gibt es immer noch so Verbindungen. Und das finde ich auch unheimlich toll. Aber eben gibt es eben auch manchmal hier in der Szene dann eben Leute, die eben auch wirklich unheimlich aktiv sind und sich unheimlich engagieren für freie Musik. Und eben diese Multiphonicsreihe ist so ein Beispiel. Und ich kenne eben diesen Initiator, John Hughes, eben sehr gut und wir haben auch wirklich ganz viel zusammen gemacht, machen auch immer noch Sachen, Projekte zusammen und das fand ich auch immer ein sehr wichtiger, wichtigen, so ein Statement einfach für die Szene. Und ich habe da Leute kennengelernt, von die ich, also wirklich, die hätte ich ansonsten nie kennengelernt. Also die, wenn man sich in dieser bestimmten Jazz-Szene oder sogenannten Jazz-Szene bewegt, lernt man bestimmte Leute einfach gar nicht kennen. Das ist ganz witzig. Muss man ja auch nicht unbedingt, aber ich fand es zum Beispiel echt spannend, also dann wirklich, also wirklich unheimlich interessante Leute da zu treffen. Aber man muss natürlich für sich dann immer den Fokus haben und was man für sich machen will, ist letztlich das Entscheidende.

SPEAKER_03

Ich würde gerne mit dir über deine Lehrtätigkeit noch sprechen. Hast du dann das Gefühl, durch deine ganze Praxiserfahrung, die du hast und deine Lehrerfahrung, dass sich an dem, was man die nächste Generation unterrichtet, was verändert hat oder dass man noch was anderes weitergeben muss als vielleicht früher, als du selber noch Schüler oder Student warst?

SPEAKER_01

Also im Vergleich zu dem, als ich Student war, sind natürlich heute generell die Ausbildungsmöglichkeiten schon mal ganz andere. Also die Kids kommen ja schon wesentlich besser vorbereitet in die Studiengänge rein. Also das geht ja schon in der Schule los mit Big Band und dann Jugendmusikschule oder dann gibt es diese Landesjugend Jazzorchester und so weiter. Also das ist natürlich ein ganz wichtiger Punkt. Ansonsten, also ich hatte jetzt leider nicht so viel Gelegenheit, jetzt zum Beispiel, ich hätte zum Beispiel gerne eigentlich mit Studenten gearbeitet, weil ich glaube, das ist einfach nochmal eine andere Situation. Und was ich aber hauptsächlich mache tatsächlich, ist quasi, also dass ich teilweise mit Kindern anfange oder mit Jugendlichen. Und da geht es eben oft einfach wirklich darum, erstmal überhaupt Grundlagen zu schaffen und solche Sachen. Deswegen komme ich leider oft da gar nicht eigentlich an diese Stellen ran, die man zum Beispiel in der Hochschule machen würde mit Studenten. Und ja, aber wie gesagt, also manchmal habe ich Gelegenheit dazu, dann kommen auch Leute zu mir privat, die dann irgendwie bestimmte Fragen haben oder so und das macht mir dann großen Spaß. Oder ich bereite teilweise auch Leute mal auf Studiengänge vor und sowas. Mache ich auch mitunter. Und ansonsten ist aber eben so diese Unterrichtstätigkeit eben, würde ich mal so ein bisschen sagen, Basisarbeit.

SPEAKER_03

Ja, naja, weil das ja auch wichtig. Wenn man den Weg geht, baut ja alles andere darauf auf. Und der, ich habe schon das Gefühl, dass sich der Beruf irgendwie, wenn man jetzt als Jazzmusiker freiberuflich tätig ist oder als Jazzmusikerin, dass sich einfach das Berufsfeld schon ein bisschen verändert hat, wenn ich Leute erzählen höre, wie es vor 40, 50 Jahren war, als ich noch nicht im Jazzkanauf gespielt habe. Aber dass einfach die Strukturen sich verändert haben und es kommen immer mehr Studienabgänger ja auch aus den Hochschulen, die fertig sind und die alle natürlich spielen wollen. Und diese ganzen Themen wie, wie bekomme ich überhaupt Zugang in die Szene, wenn man auch mal vielleicht aus der eigenen Stadt raus will und mal woanders spielen will, mal eine Tour spielen will, wie komme ich da überhaupt ran, wie mache ich das, was muss ich dafür vorbereiten? Und ich habe schon das Gefühl, dass das Punkte sind, die erst sehr langsam auch in die Hochschule mit einfließen, damit die Leute überhaupt eine Chance haben, darauf vorbereitet zu werden. Viele Dinge daraus sind auch schwer vorzubereiten, weil das sehr viel Eigeninitiative und von Fall zu Fall unterschiedliche Anforderungen sein mögen. Aber da kann ja auch nicht genug Basisarbeit dafür da sein, weil einfach die Ausbildung am Instrument natürlich das Grundsätzlichste ist, worauf hinterher dann wiederum aufgebaut werden kann.

SPEAKER_01

Genau, also wie gesagt, genau, also das eine ist halt sozusagen diese, oder manchmal dann eben die Vorbereitung aufs Studium, da gab es also auf jeden Fall auch einige Fälle, die ich dann sozusagen da hingebracht habe und so, da ist man natürlich dann auch mal so ein bisschen stolz drauf. Aber andererseits ist dann eben, wenn man dann das dann geschafft hat und eben dieses Marketing, dieses Marketing-Element spielt eben auch eine wichtige Rolle. Und aber das ist ja heute sozusagen im Hochschulkontext auch, glaube ich, inzwischen ein Lehrfach, glaube ich, geworden.

SPEAKER_03

Das kommt ein bisschen auf die Hochschule an, aber zum Glück gibt es den Unterricht mittlerweile schon an manchen Orten.

SPEAKER_01

Es gibt, glaube ich, tatsächlich jetzt dieses Self-Marketing oder wie das nennt, oder Kulturmanagement oder so. Und ich sehe es ja also bei den teilweise jungen Bands, die also wirklich erstaunlich irre toll unterwegs sind. Also das funktioniert auch dann. Man muss nur wahrscheinlich wissen, wie es funktioniert oder welche Hebel, an welchen Hebeln man drehen muss. Das stimmt. Genau. Also da sind, also da sind die jungen Leute heute, glaube ich, einfach echt schon so, denke ich mal, auch irgendwie klarer und zielgerichteter manchmal.

SPEAKER_03

Ja, ich glaube, müssen sie anhand dem Überangebot von Online-Angeboten und Social Media und was man alles noch bedienen muss. Ich glaube, wenn man da völlig unvorbereitet als junger Mensch heute drauf trifft, ist man, glaube ich, sehr schnell sehr überfordert mit allem, was man da vermeintlich noch zusätzlich machen soll. Hast du das Gefühl, dass sich für dich sehr stark was verändert hat am Berufsbild des freischaffenden Musikers, jetzt vielleicht mal die letzten drei Jahre ausgeklammert, weil die waren ja für alle sehr speziell und anders waren. Aber hast du das Gefühl, dass sich da viel für dich verändert hat? Vielleicht auch, wie viel du tust und wie viel du unterwegs bist?

SPEAKER_01

Genau, also ich habe eigentlich, ja, ich glaube, ich habe sozusagen immer kontinuierlich irgendwie gearbeitet und habe immer versucht, irgendwie interessante Projekte zu machen. So. Und also dass das irgendwie voranzubringen, das war auch teilweise auch durchaus von Erfolg gekrönt. Und genau, und dann, klar, und ich hatte, ich hatte ja auch schon vor der Hochschule sozusagen eine Vorgeschichte. Also man kannte mich eigentlich schon vorher so ein bisschen und dann ist es natürlich auch so, wenn man, wenn man als Musiker arbeitet, dass man natürlich auch manchmal dann gefragt wird für irgendwelche Projekte oder also eben nicht nur Eigeninitiative macht, sondern man wird auch gefragt. Man macht auch Dienstleistungsjobs, zum Beispiel teilweise natürlich auch.

SPEAKER_02

Ja.

SPEAKER_01

Auch solche Sachen und das war sozusagen so eine langsame kontinuierliche Entwicklung und ich meine, die ist eigentlich bis heute so durchgegangen. Also manchmal denke ich auch, ich bin halt, muss ich auch gestehen, ich bin jemand, der etwas langsam ist manchmal in meiner Entwicklung. Also ich glaube, oder ich weiß gar nicht genau, woran es eigentlich liegt. Ich glaube, es lag an meiner Selbstwahrnehmung. Also das, was ich zum Beispiel früher, wenn ich mir heute zum Beispiel Aufnahmen von vor 30 Jahren anhöre, dann habe ich das Gefühl, ey, das war doch eigentlich total okay. Aber ich war immer so überkritisch, dass ich immer gedacht habe, nee, nee, das geht gar nicht. Also so, also das. Also, und irgendwie, und heute ist es halt irgendwie so, dass ich das Gefühl habe, also wenn ich jetzt heute Aufnahmen anhöre von mir, dann sage ich, ja, ist okay. Also da habe ich das Gefühl, dass, also die Entwicklung, es ist immer noch so eine Entwicklung da und genau, und deswegen sehe ich, gucke ich jetzt, ich kann natürlich viel nach hinten gucken und da waren auch tolle Sachen und spannende Projekte und aber ich habe im Moment auch tatsächlich das Gefühl, dass jetzt die Zeit gerade jetzt eigentlich nochmal wirklich nochmal eine andere Wendung nimmt. Also dass es irgendwie jetzt tatsächlich nochmal eine andere Fahrt aufnimmt. Oder ich auch ein Selbstverständnis, ein anderes Selbstverständnis entwickle als das, was ich vor 20 oder 30 Jahren hatte. Also man kann es vielleicht auch Selbstbewusstsein nennen oder vielleicht einfach oder eine Einschätzung für das, was man tut.

SPEAKER_03

Das ist auf jeden Fall was sehr, sehr Wichtiges. Ich glaube, bei manchen tritt das vielleicht auch gar nie ein. In dem Moment, wo du vielleicht nicht nur Sideman oder Sidewoman bist, sondern auch unter deinem Namen Musik veröffentlicht, trägst du ja deine Person auch gewissermaßen nach außen und unter Umständen kann dich das, was dann zurückkommt, ja auch total unvorbereitet treffen. Und insofern ist die ständige Auseinandersetzung mit sich selbst und eben das Selbstbewusstsein, was du beschreibst, ja ein sehr, sehr wichtiges Gut, das, wie gesagt, bei manchen schon in sehr frühem Alter da ist und bei manchen aber auch vielleicht ein Leben.

SPEAKER_01

Es gibt ja auch so diese merkwürdigen Musikerkarrieren, wo Leute tatsächlich dann eben wie Al Gerode, ich meine, das weiß ich jetzt nicht, ob das jetzt ein gutes Beispiel ist. Ich weiß nicht, wann hat der seine Karriere mit 40 oder 45 begonnen oder irgendwie relativ spät. Also so Leute, die dann plötzlich im höheren Alter irgendwie plötzlich dann irgendwie durchstarten. Das gibt es halt auch. Also ich meine, es muss nicht per se immer der 20-Jährige oder die 20-Jährige sein. Oder das ist natürlich toll, wenn es so ist.

SPEAKER_03

Es ist ja eigentlich auch spannend, wenn das nicht bei jedem komplett gleich verläuft. Und es gibt ja in der Popmusik viele Stimmen, die behaupten, dass wenn man bis zum Alter von 20 Jahren das nicht geschafft hat, dass man dann schon zu alt ist. Und das ist ja eigentlich sehr tragisch, wenn dem wirklich so ist. Ich glaube, im Jazz zumindest haben wir da ein bisschen mehr Flexibilität. Und das, was du über dich und deine Karriere sagst, bestätigt das ja auch so ein bisschen. Du hast immer weitergemacht, immer neue Impulse gesucht, neue Impulse gegeben. Und so ist es eben immer vorangegangen. Und jetzt passenderweise kommt noch der Hamburger Jazzpreis obendrauf. Ich habe ein sehr passendes Zitat gefunden, in dem eigentlich die Band Eisenrot beschrieben wird, in der du auch mitspielst, das aber auch sehr gut auf dich und auf deine Person zutrifft, wie ich finde. Das lautet eine Musik von heute, gewebt für die Zukunft, komponiert, improvisiert zwischen Rausch und Form, eine Dramaturgie aus Geräusch und Melodie, was ist, was wird und was kommt. Und ich finde, das beschreibt sehr, sehr schön zum einen, was du bisher schon gemacht hast, aber auch was von dir noch kommen wird. Und deswegen meine Frage, was wünschst du dir denn für die Zukunft?

SPEAKER_01

Also ich wünsche mir, dass eigentlich diese Entwicklung, die jetzt in den letzten Jahren verstärkt zugenommen hat, nämlich dass ich mit tollen Musikerinnen und Musikern spielen kann, die teilweise auch wesentlich jünger sind als ich, was ich als wirklich großes Glück empfinde. Ich meine, ich spiele auch gerne mit Gleicherwegen, aber ich finde es toll, also da eben diese Teil davon sein zu dürfen und bringe mich da auch sehr gerne ein. Und wir sind letztlich, redet da auch keiner über Alter. Also das ist dann letztlich auch egal. Es geht halt um die Musik und das finde ich toll und so soll das auch bleiben. Und ich möchte gerne diese inspirierende Musik weitermachen, auch mit den Projekten, die jetzt laufen. Und bin offen auch für weitere Einflüsse und möchte auch gerne natürlich selber mich inspirieren lassen und um eigene Ideen weiterzuentwickeln und Stücke schreiben und Konzepte entwickeln und so weiter. Und den Mut eben dann auch haben, das dann auch eben rauszuhauen, sozusagen, sage ich mal.

SPEAKER_03

Ein schönes Schlusswort von dir. Dann wünschen wir dir oder wünsche ich dir natürlich auch weiterhin viel Inspiration bei allem, was kommt. Und wir freuen uns auf alles, was von dir noch kommt. Und wir sehen uns alle spätestens bei der Verlangung des Hamburger Jazzpreises am 10. Juni im Rahmen des Elf Jazz Festivals. Und ich bedanke mich bei dir für deine Zeit und für das Gespräch.

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Für deine Konzerte in nächster Woche auch alles gut.

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Und natürlich auch vielen Dank an euch, die Hörerinnen und Hörer, fürs Dabeisein bei dieser Folge des Jazz Moves Schnack. Folgt uns gerne auch in den sozialen Medien, dem Jazz Moves Schnack und Jazz Moves Hamburg. Da findet ihr auch tägliche Konzerttipps für die Stadt. Schön, dass ihr dabei wart. Mein Name ist Stefanie Lottermoser und ich hoffe, wir hören uns beim nächsten Mal wieder. Bis dann. Tschüss.