Jazz Moves Schnack
Der Podcast von JAZZ MOVES HAMBURG über Jazz und darüber hinaus - mit Gästen, die Jazz spielen, leben und lieben. Moderiert und produziert von Stephanie Lottermoser. Zweimal nominiert für den Deutschen Jazzpreis in der Kategorie "Journalistische Leistung".
Jazz Moves Schnack
JAZZ MOVES SCHNACK: ACHIM SEIFERT
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Er ist Bassist, Komponist, Bandleader und Sideman, darüber hinaus Dozent und Produzent - Achim Seifert lebt und arbeitet seit zehn Jahren in Hamburg und erzählt im Jazz Moves Schnack von der Inspiration zu seinem aktuellen Album Dünyalar und seiner Faszination für orientalischer Musik.
Darüber hinaus spricht er mit Stephanie Lottermoser über sein Produzenten - Alter Ego Chim San und den Spagat zwischen ungeraden Takten und simplen Songstrukturen, sowie über die heutigen Herausforderungen in der Musikbranche.
Weiterführende Links:
Homepage - https://www.achimseifert.com
JAZZ MOVES SCHNACK - der Podcast von Jazz Moves Hamburg über Jazz und darüber hinaus, moderiert und produziert von Stephanie Lottermoser.
Fun Fact, wie ich zum Bass gekommen bin, ist irgendwie eine klassische Geschichte. Zwei Freunde von mir wollten eine Band gründen, Gitarrist und Schlagzeuger. Und die beiden habe ich dann irgendwie eingeladen in die Pizzeria und meinte, hier der spielt Gitarre und hier der spielt Schlagzeug. Und dann meinte einer von denen, ja, wir brauchen jetzt noch einen Bassisten, willst du Bass spielen? Und dann meinte ich, ja, gut, spiele ich halt Bass.
SPEAKER_00Ihr hört den Jazz Moves Schnack mit Stefanie Lottermosel.
SPEAKER_02Moin und herzlich willkommen zum Jazz Moves Schnack. D podcast über Jazz und darüber hinaus aus Hamburg. Hinter dem Podcast stecken der Blog Jazz Moves Hamburg, der euch tagesaktuell mit Konzert- und Veranstaltungstipps versorgt, and außerdem spannende Interviews und Konzertberichte auf Lager hat. And außerdem das Jazzbüro Hamburg. Eine Schnittstelle zwischen der Szene, den VeranstalterInnen und der Kultur und Stadtpolitik. Jazz hat seit vielen Jahren einen Platz in Hamburg. Gerade erst wurde beim Elb Jazz Festival der Hamburger Jazzpreis an Dirk Achim Donau vergeben, unser letzten Podcast Guast. In the folks könnt ihr auch gerne nochmal rein. Er hat mit einigen anderen Acteurs and Szene getan and aufgebaut, so dass wir heute eine breite Palette an Jazz in der Stadt hören und genießen können. And natürlich aus Musiker and Musikerinnen sich auch Locations, an denen wir spielen können. My name is Stefanie Lottermoser and ich freue mich heute sehr über einen Gast, der stilistisch wirklich vielfältig ist, stark vernetzt in der Hamburger Szene, aber auch weit darüber hinaus. Tätig ist er hauptsächlich als Bassist, aber auch als Produzent. Und ich glaube, man kann sagen, er liebt ungerade Taktarten. Moin und herzlich willkommen, Achim Seifert.
SPEAKER_01Moin, hallo.
SPEAKER_02Ist das richtig mit den ungeraden Taktarten?
SPEAKER_01Das ist schon richtig, würde ich schon sagen, ja. Also ich mag auch vier Viertel, aber ich finde, alles andere hat auf jeden Fall auch seine Berechtigung.
SPEAKER_02Wenn man sich die Videos auf deiner Instagram-Seite so anschaut, ist da auf jeden Fall auch für Freunde von Oddmeeters einiges zu finden, falls ihr euch da mal umgucken wollt. Das ist jetzt direkt schon viel zu spezifisch. Wir haben auch Hörer und Hörerinnen, die nicht selber Musiker und Musikerinnen sind. Aber das wollte ich direkt mal fallen lassen. Ich habe zu Beginn eine Frage, die hat wahrscheinlich mehr mit mir als mit dir zu tun. Aber ich stelle dir die jetzt einfach mal. Die stelle ich sonst immer eher Musikerinnen und da ist auch die Antwort immer klar. Ich frage mich ganz oft, wenn ich so durch Social Media scrolle und mir so Line-Ups von Festivals und Konzertreihen angucke, warum es immer noch Veranstaltungsreihen und Festivals gibt, auch im Jazzbereich, bei denen nur Männer gebucht werden. Und ich frage mich, du kannst auch einfach ehrlich Nein sagen, ob du das schon mal wahrgenommen hast. Weil ich habe die Erfahrung gemacht, dass wenn ich männliche Kollegen darauf anspreche, dass die da oft gar nicht drauf achten. Und das ist natürlich irgendwie halt trotzdem Thema. Und ich frage mich, ist dir das schon mal aufgefallen? Du kannst auch wirklich ganz ehrlich Nein sagen und es kommt kein Shitstorm im Internet.
SPEAKER_01Also mir ist das schon hin und wieder mal aufgefallen auf jeden Fall. Jetzt, wenn ich auf Festivals gespielt habe, war das in meiner Erfahrung auch immer recht ausgewogen. Aber natürlich springt einem das auch auf jeden Fall in die Augen und das nehme ich natürlich auch wahr, dass das manchmal nicht so gut verteilt ist auf jeden Fall.
SPEAKER_02Okay, das ist gut zu wissen. Weil als Musikerin ist man da manchmal so ein bisschen ratlos, wenn man das sieht und denkt sich, oh, wenn ich jetzt da drunter schreibe, warum spielen bei euch keine Frauen? Dann meinen die natürlich, dass ich eigentlich schreiben wollte, bucht mich. Also glaube ich immer und dann weiß ich immer nicht genau, was der richtige Ansatz ist. Und dann denke ich immer, wieso schreibt nicht einfach jemand, der als Gast dahin geht, hey, euer Liner bist du ein bisschen einseitig, aber ich weiß auch nicht, ich weiß immer nicht, wem man dann einen Vorwurf machen kann, dass er das nicht kommentiert. Aber das ist ein sehr großes Thema. Ich wollte das einfach nur kurz wissen. Ich stelle dir noch eine leichtere Einstiegsfrage. Wie war dein Wochenende?
SPEAKER_01Mein Wochenende war super auf jeden Fall. Ich habe ein bisschen geübt hier zu Hause und gestern, na gut, gestern ist es jetzt kein Wochenende, gestern hatte ich eine Probe und habe es mir eigentlich ganz gut gehen lassen. Viel Musik gehört, war ein bisschen draußen, haben mir ein Eis geholt hier in Hamburg. Und ja, also alles, was das Herz begehrt, wurde erfüllt. So sozusagen. Viel Musik, viel hören und ja.
SPEAKER_02Das klingt gut. Über Musik sprechen wir auch gleich. Wir stellen ja unsere Gäste zu Beginn immer vor. Das übernimmt Felix Tennbaum. Und deswegen hören wir jetzt Achim Seifert, vorgestellt von Felix Tennbaum. Bitte sehr.
SPEAKER_00Achim Seifert wurde 1985 in Hildesheim geboren. Seine erste musikalische Liebe galt dem experimentellen Rock. Erst danach begeisterte er sich zunehmend für Jazz. Er studierte E-Bass an der Hochschule für Musiktheater und Medien in Hannover und mit einem Stipendium am renommierten Berkeley College of Music in Boston. Mit dem Achim Seifert Project veröffentlichte er bisher vier Alben, für die er die Musik überwiegend selbst schreibt und arrangiert. Er gewann den Future Sounds Wettbewerb der Leverkusener Jazztage and wurde für den Echo Jazz in der Kategorie Bass nominiert. Auf seinem actuellen Album Dynjala beschäftigt er sich mit seinen Wurzeln anders in einem modernen Jazzgewand. Seit zehn Jahren lived er in Hamburg and ist ein sehr aktiver Teil der hiesigen Szene, die er mit seiner stilistischen Flexibilität bereichert. Darüber hinaus tourte er unter anderem bereits mit Trilog Gurtu und Nils Wülker and ist als Bassist in zahlreichen Jazz- und Pop-Produktionen zu hören. Zum Beispiel mit Udo Lindenberg, Annette Lausanne und Max Mutzke. Außerdem veröffentlicht er als Produzent unter dem Pseudonym Jim Sun elektronische Musik. Als Dozent gibt er sein Wissen an den Musikhochschulen in Osnabrück und Rostock weiter.
SPEAKER_02Achim, du und Hamburg. Wie ist das passiert?
SPEAKER_01Ich und Hamburg, das ist so passiert. Ich war in Hannover sozusagen fertig. Also mit meinem Studium. Mit Hannover bin ich noch nicht fertig, but with the studio da war ich fertig. And then the growth, was passiert jetzt nach dem Studium? Die fragt man sich, ich glaube, als völliger Studierender auch auf jeden Fall öfter, ob man in der Stadt bleibt or ob man noch irgendwas anderes macht. Und bei mir war das so, dass ich natürlich dann gesagt habe, ich muss nochmal irgendwie in eine neue Szene rein, ich muss in die weite große Welt hinaus und muss auf die Straße, wie man so schön sagt. Und dann habe ich überlegt, was für Städte gibt es in Deutschland. Berlin, Köln und Hamburg. Natürlich gibt es auch noch andere Städte, aber bei mir kam Hamburg dann auf jeden Fall sofort ins Sinn, weil ich in den Sinn, weil ich das Meer auch irgendwie mag? Und Hannover ist jetzt auch nicht so weit weg. Das war damals auch so ein bisschen so ein Thema. Und tatsächlich kannte ich hier auch schon ein paar Leute, ein paar Musiker, mit denen ich früher schon gespielt habe. Und deswegen war sozusagen das von vornherein klar, dass ich dann hier hinkomme und hier mein Glück versuche, sozusagen.
SPEAKER_02Hattest du auch mal überlegt, after in Boston was and in New York studies, not a while in the USA to violerinnen in Deutschland or so a bit the mecker, an demo viel entstanden is. They then weltweight all beeinflused, what passiert. And this is nachvollziehbar, wenn man sich da so ein bisschen umgucken will und vielleicht auch sein Glück versuchen möchte. War das mal ein Gedanke von dir?
SPEAKER_01Ja, das war am Anfang auch auf jeden Fall ein Gedanke. Ich habe dann relativ schnell gemerkt, dass die finanziellen Möglichkeiten in den USA, damals, das war ja jetzt auch schon einige Zeit her, dass das natürlich nur ging bei mir jetzt in dem Fall mit einem Stipendium und dann auch weitergehend dann auch mit Hilfen von außen. Und natürlich habe ich das am Anfang gedacht, vielleicht bleibe ich da und ziehe dann nach New York oder sowas, habe dann aber relativ zeitig gemerkt, dass das für mich eher dann auch nur so ein Ausflug war und dass ich bei diesem Ausflug irgendwie alles mitnehmen möchte, was ich da bekommen kann, sozusagen. Ich habe aber auch ganz viele Freunde jetzt immer noch, die dann den klassischen Weg sozusagen gegangen sind, die dann diese Wanderung gemacht haben von Boston nach New York. Das heißt, alle, die in Boston fertig sind, wandern dann nach New York drüber und das sind dann immer irgendwie hunderte von super Musikerinnen irgendwie, die dann nach New York gehen, sozusagen. Und ich habe mich dann aber auch wieder auf Deutschland gefreut, dann in den letzten Monaten sozusagen.
SPEAKER_02Klar, man beobachtet das oft. Ich meine, man kann es verstehen, der Schmelztiegel in New York ist natürlich Wahnsinn, wobei sich dann in der Corona-Zeit ja auch viel verändert hat. Und selbst für ausgezeichnete MusikerInnen, egal wo sie herkommen, die in New York leben, sind die Lebens- und Arbeitsbedingungen oft nicht einfach da drüben. Und viele versuchen ja auch, desto berühmter sie werden, wiederum dann Touren in Europa zu spielen, weil es hier zum Teil einfach auch nochmal andere Gagen zu holen gibt. Und das ist eigentlich ein sehr, sehr, sehr spannendes Thema, wie das dann doch irgendwie alles ineinander reinspielt und sich irgendwie gegenseitig bedingt. Und reist du trotzdem manchmal noch in die USA oder versuchst das irgendwie einzubauen, um dir da nochmal so ein bisschen Input abzuholen? Oder geht das auch woanders?
SPEAKER_01Das geht tatsächlich auch woanders. Aber ich war tatsächlich auch mal wieder drüben, das ist jetzt aber auch schon ein bisschen lange her, möchte aber auch in der Zukunft mal wieder rüber und mal wieder Hallo sagen, die alten Kontakte wieder auffrischen. Inspiration hole ich mir aber eher gerade aus anderen Bereichen, was das aber auch nicht ausschließt. Also wer weiß, ob ich mir vielleicht nicht einfach ein Flugticket kaufe und mal wieder nach Boston fliege und da einfach mal wieder ein bisschen rumhänge. Also es kann auf jeden Fall auch passieren. Es kann spontan passieren, aber ist jetzt noch nicht geplant. Da steht jetzt noch erstmal ein anderes Land auf dem Zettel, was bereist du nicht. Und zwar Japan.
SPEAKER_02Japan.
SPEAKER_01Japan, ja.
SPEAKER_02Wegen der Kultur oder wegen der Musik?
SPEAKER_01Also ich bin ja schon ein ziemlicher Japan-Fan, schon immer auf jeden Fall. Das hat damit begonnen mit den ersten Computerspielen, die ich gespielt habe, mit so zwölf oder so. Es kam ja alles aus Japan. Und jetzt habe ich die Möglichkeit, mit meiner Freundin zusammen nach Japan zu fliegen, weil sie da Familie hat. Und da freue ich mich natürlich sehr, sehr drauf.
SPEAKER_02Wow. Und was waren die ersten Computerspiele, die du gespielt hast, nicht, dass ich irgendwas darüber wissen würde?
SPEAKER_01Oh, meine ersten Computerspiele. Sowas wie Secret of Mana oder Final Fantasy VII.
SPEAKER_02Okay.
SPEAKER_01Also Final Fantasy VII ist wirklich das beste Spiel, was jemals produziert worden ist.
SPEAKER_02Okay, das werde ich mir merken. Ich google das dann später mal.
SPEAKER_03Sehr gut.
SPEAKER_02Okay, ja, Panda, das ist auf jeden Fall spannender. Da wünsche ich euch jetzt schon viel Spaß. Das wird bestimmt eine tolle Reise. Du machst ja relativ viele verschiedene Dinge. Also du schreibst eigene Musik. Wir kommen natürlich auch gleich noch auf dein neues Album zu sprechen, hast eine Band unter deinem Namen, bist Zeitman in wirklich vielen verschiedenen anderen Projekten, bist Dozent. Viele unserer Hörer und Hörerinnen sind ja, wie ich vorher schon gesagt habe, nicht selbst Berufsmusiker und Berufsmusikerinnen. Und ich habe immer das Gefühl, dass viele Menschen außerhalb unserer Blase sich immer nicht vorstellen können, was man so macht den ganzen Tag. Und deswegen spreche ich das immer ganz gerne an und frag auch dich jetzt, was ist so ein klassische Tage gibt es bei uns ja dann auch oft nicht so richtig, aber was ist so ein, wie verbringst du so einen Tag als der Bassist und Dozent und Komponist und Produzent, Achim Seifert? Was machst du so?
SPEAKER_01Wie du schon sagtest, es gibt irgendwie nicht so klassische Tage. Das ist immer sehr, sehr unterschiedlich. Also ein sehr, sehr guter Tag für mich ist, wenn ich früh aufstehe und dann erstmal so ein bisschen im Bett rum sitzt und 10 Minuten die Augen zu machen und so ein bisschen meditate. And then so ein bisschen in den Tag rein starte mit so ein paar Übungen am Bass. Das finde ich auch immer sehr, sehr gut. So, dass man sich auf seinem Instrument so ein bisschen eingoveft, sich so eine Connection einfach aufbaut. And then einfach irgendwie weiter in den Tag geht, vielleicht dann irgendwann die E-Mails aufmacht, was dann manchmal auch frustrierend ist. Oder auch gut. Aber ich probiere jetzt gerade die E-Mails immer ein bisschen später am Tag aufzumachen, dass das nicht so am Morgen gleich so auf mich einströmt. Also ich probiere schon jetzt gerade wieder viel am Instrument zu sein, weil ich mich jetzt auch gerade wieder so ein bisschen mit Komposition beschäftige, ein paar neue Skizzen gemacht habe, wieder mich ein bisschen mehr ans Klavier gesetzt habe. Was dann auch mal ein bisschen dauert bei mir, bis ich da auch wieder einen Gru finde beim Klavier. Aber ja, so ein klassischer Tag wäre tatsächlich, mich den ganzen Tag irgendwie mit Musik zu beschäftigen, sozusagen. Also das heißt, üben, dann wieder ein bisschen hören, vielleicht das Instrument mal wechseln und vielleicht ein bisschen Sport zwischendurch. Das mache ich jetzt gerade auch wieder ein bisschen, das ist auch immer ganz gut. Und dann am Abend vielleicht sich mit armen Menschen zu treffen. Weil wenn man so wenn man so in seinem Kämmerlein irgendwie rumhängt, dann melden sich die menschlichen Instinkte dann doch irgendwann, dass man austauschen möchte und das wäre sozusagen ein sehr guter Tag, dass man am Abend dann nochmal das so ein bisschen ausklingen lässt und ein bisschen schnackt. Oder halt auch ein Konzert spielt. Dinge tun.
SPEAKER_02Dinge tun, die viel mit Musik und dich selbst irgendwie fit und am Start halten zu tun haben.
SPEAKER_01Absolut, ja. Dinge tun umfasst halt einfach irgendwie alles, sozusagen.
SPEAKER_02Vielen Dank für diesen Einblick.
SPEAKER_01Gerne.
SPEAKER_02Dann würde ich sagen, kommen wir jetzt direkt mal zu deinem aktuellen Album. Dein viertes ist es, wenn ich richtig gezählt habe. Unter deinem Namen. Es trägt den Titel Edynjalar, was auf Deutsch übersetzt Welten bedeutet. Und genau das zeigst du quasi auch auf, nämlich deine Welten oder einen Teil deiner Welten. Wie schon in der Vorstellung gehört, adaptierst du türkische Musik gewissermaßen in den Jazz und das in der klassischen Quartettbesetzung, eben mit dir am Bass, dann auch mit Schlagzeug, Klavier und Saxophon. Und ich habe gelesen, dass es einen Song gab, der so ein bisschen deinen Einstieg oder deinen Startpunkt jetzt in dieses album war. Den Titel auf Türkisch würde ich dich bitten, gleich zu sagen. Ich habe mal einen Turkish Kurs gemacht, ein halbes Jahr lang, aber ich glaube, ich kriege das nicht mehr hin. Auf Deutsch übersetzt heißt es auf jeden Fall: Ein wunderschönes Auge brachte mich zu dieser tiefen Liebe. Und ich versuch's mal, du kannst mich gleich berichtigen. Gysel Bide Gös Beni Atibu Derin Sepdaya von Osman Nihad Akin.
SPEAKER_01Oh ja, es hat sich schon ganz gut angehört, finde ich.
SPEAKER_02Vielleicht magst du erstmal den Hörern und Hörerinnen erzählen, wo deine türkischen Wurzeln auch liegen und ob du dich schon länger mit türkischer Musik beschäftigt hast und vielleicht auch damit aufgewachsen bist oder ob du jetzt wirklich mit diesem Album dich erst tiefergehend damit beschäftigt hast. Sag mal zuerst noch den Titel von dem Stück, ich glaube, das war nicht richtig bei mir.
SPEAKER_01Achso, ja, ich muss es tatsächlich auch nochmal. Mein Türkisch ist nämlich auch nicht so gut. Also der Titel heißt Gesellgös bin atte Buderin Sefdaya.
SPEAKER_02Naja, das klang schon nochmal sehr anders als bei mir insofern.
SPEAKER_01Aber es war schon nah dran auf jeden Fall. Ich glaube, wenn jetzt hier ein echter Türke sitzen oder eine Türkin sitzen würde, dann würde sie auch mit den Augen runzeln sozusagen.
unknownNa gut.
SPEAKER_01Mein Vater kommt aus der Türkei und deswegen würde ich schon sagen, dass das sehr, sehr früh angefangen hat bei mir. Zwar ist er auch Musiker und hat in der Türkei ganz viel in Nachtclubs gespielt und hat somit sozusagen sein Geld verdient. Mit Gigs, also würde ich sagen, schon professioneller Musiker da, dann ist er nach Deutschland gekommen. Und hatte hier auf jeden Fall auch ein paar Bands, die dann bei uns zu Hause in den Proberaum auch immer wieder geprobt haben. Also es kam dann immer Musiker, Musikerinnen vorbei, die dann auch türkische traditionelle Musik gespielt haben und auch Musik aus der türkischen Klassik. Und die haben auch ganz, ganz viel Rock gespielt. Das heißt, sie haben auch viel die Stones gespielt und Prince und so weiter und so fort. Aber unter anderem dann auch viel Musik aus der Türkei. Und ja, ich bin dann als Kind dann natürlich auch mal in den Probaum reingekommen und musste mal gucken, was da los ist, was das für ein Krach da war.
SPEAKER_02Welches Instrument hat dein Vater denn gespielt?
SPEAKER_01Schlagzeug. Und ich würde schon sagen, dass da schon relativ viel passiert ist, weil man als Kind natürlich auch viel absorbiert, was um einen herum ist. Das heißt, ich würde sagen, der Kontakt war schon relativ früh da. Und mich hat auch schon immer der Vibe oder die Klangfarbe, die orientalische Klangfarbe, gar nicht mal so auch aus der Türkei, sondern auch einfach orientalisch allgemeint, aus Arabien, aus dem Libanon zum Beispiel auch schon fasziniert. Und auch natürlich die verschiedenen Tonsysteme, die da existieren. Da gibt es ja ein paar mehr Töne als bei uns in der abendländischen Musik. Und das hat mich schon immer sehr fasziniert, obwohl ich das relativ spät erst dann irgendwie probiert habe, für mich dann auch weiterzuentdecken. Ich habe es eigentlich eher gerne gehört. Und genau, aber jetzt mit dem Album habe ich mich tatsächlich zum ersten Mal auch mehr mit Komposition aus der Türkei beschäftigt. Das heißt, ich habe meine Familie gebeten, mir mal ein paar Sachen zu schicken. Die haben mir dann Sass-Noten geschickt. Das ist diese türkische Gitarre. Und auch U-Noten, das ist die arabische Laute sozusagen. Und da habe ich mich dann irgendwie erstmal durch die ganzen Kompositionen durchgehört und habe mir dann die schönsten Melodien tatsächlich rausgesucht, hab dann zusammen mit dem Roman Rufalski, mit einem Pianisten, den ich auch schon ganz lange kenne, habe ich dann zusammen dieses Album mit arrangiert. Also wir haben die Songs genommen und haben sie dann in ein neues Gewand gepackt und haben unsere musikalischen Einflüsse, unsere Jazz-Einflüsse da mit reingebracht. Und das Ergebnis klingt auch einfach ganz, ganz anders, als wie ich das erwartet habe. Ja, ja, das war auch total interessant. Ich dachte, es geht schon ein bisschen mehr in Richtung Türkei. Und durch die Komposition ist dann natürlich sehr, sehr viel Kultur drin. Aber es ist auch sehr, sehr viel Modern Jazz auch wieder mit reingekommen.
SPEAKER_02Also ich finde es wirklich eine richtig spannende Mischung. Ich habe es mir natürlich auch angehört im Vorfeld und kann das wirklich auch unseren Hörern und Hörerinnen nur ans Herz legen, sich das Album Dynjalar vom Achim Seifat-Projekt oder Achim Seifert Projekt irgendwie mal anzuhören. Allein, ich meine, ich habe auch da natürlich ein paar Titel übersetzt, weil ich wissen wollte, um was es da geht. Es gibt auch einen Song, der heißt Gülkurutum. Das heißt übersetzt, zumindest wenn Google das richtig übersetzt, ich habe eine Rose getrocknet. Es gibt noch ein Stück, das heißt auf Deutsch übersetzt, so viel wie verträumte Flugjahre.
SPEAKER_01Ah, ja. Das ist dieses Ryja-Gibi Ucha Jilal, wenn du das meinst. Genau.
SPEAKER_02Die reiche Harmonic and Melodik überträgt sich für mich auch so ein bisschen in den Songtitel. Ich meine, du hast dir die ja nicht ausgedacht, das sind ja Songs, die du adaptiert hast. And I think there is so viel drin and so viel zu entdecken and to hear. And du hast vorher so schön gesagt, it's in the türkischen or in the growth der orientalism ein paar mehr Töne als in der abendländischen Musik. Spezial bei uns in Deutschland, in der Mainstream-Musik, habe ich das Gefühl, bei uns gibt es noch ein paar weniger Töne als in der abendländischen Musik. Deswegen finde ich das natürlich total spannend, wenn man dann noch was von außen dazu nimmt. Und hast du das Gefühl, dass dich das auch emotional nochmal anders abholt, wenn du selber auf der Bühne stehst und diese Musik spielst, weil das ja auch irgendwie so viel von deiner eigenen Geschichte enthält?
SPEAKER_01Ja, das habe ich auf jeden Fall bei den Konzerten sehr, sehr aufgefallen. Das ist dann eher so ein Produktionsprozess. We have uns getroffen, we have geproped und da haben die Songs dann eher Gestalt angenommen. Und im Studio ist es dann auch nochmal sehr analytisch, dass man irgendwie den besten Take raussuchen möchte und dann halt auch mit seinem eigenen Spiel vielleicht auch ein bisschen. ist, wobei man dann auch die anderen hören im besten Fall auch hören sollte, im besten Fall auch hören sollte. Also ich hatte auf meinem Monitor-Mix nicht nur Bass, sondern auch meine Mitmusiker. Das ist auch immer sehr, sehr wichtig.
SPEAKER_03Das hilft.
SPEAKER_01Aber wenn man das dann live spielt, das kennst du ja auch, bekommen die Titel, die man sich da ausgesucht hat, natürlich noch, die bekommen eine ganz andere Bedeutung und bei ein paar Songs, bei ein paar Konzerten, die wir jetzt gemacht haben, habe ich dann schon auf jeden Fall sehr, sehr viel. Wurde schon sehr emotional und habe dann auch irgendwie beim Spielen mich erinnert, was bei mir dann auch alles passiert ist und was los war und so weiter und so fort. Und tatsächlich bei ein paar Songs ist das natürlich auch stärker, was glaube ich immer auch natürlich so ist, dass man zu ein paar Kompositionen eine stärkere Verbindung hat. Es ist auch immer sehr, sehr gut zu sehen, dass auch wenn man die Songs live spielt, sie immer noch irgendwie die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln. Das finde ich halt an Jazz und an improvisierter Musik einfach so wunderbar faszinierend. Dass es halt nie irgendwie statisch ist, sondern dass es ein fließender Übergang ist, dass die Komposition immer wieder eine neue Form bekommt, sozusagen. Ja, genau. Also um die Frage zu beantworten, ja. Sehr emotional.
SPEAKER_02Planst du auch oder versuchst du auch, die Musik wiederum in die Türkei zu bringen? Weil das wäre ja wahrscheinlich für Menschen oder Kulturinstitute dort auch total spannend zu sehen, was da für eine Symbiose entsteht.
SPEAKER_01Das wäre total super. Da habe ich mich jetzt noch nicht so wirklich drum gekümmert, weil wir erstmal mit Deutschland jetzt beschäftigt sind. Aber natürlich, auf jeden Fall.
SPEAKER_02Vielleicht hört das ja auch jemand, der Lust hat, sich darum zu kümmern oder der da irgendwie eine Möglichkeit hat und meldet sich dann am besten direkt bei dir.
SPEAKER_01Ja, super. Also gerne immer melden. Vielleicht wird es ja passieren. Also das wäre dann, glaube ich, nochmal umso interessanter, wenn das dann Leute aus der Türkei hören, die natürlich ihre Volksmusik oder ihre Melodien dann hören von jemandem, der nicht in der Türkei groß geworden ist, der sich dann da angenähert hat. Also ich glaube, das ist super, super interessant.
SPEAKER_02Dynjalad. Lass uns mal zu einem anderen spannenden Thema kommen, und zwar zu Chim Sun. Wahrscheinlich hast du schon geahnt, dass ich dich dazu auch was fragen werde. Chim San ist dein Produzentenalter-Ego, unter dem du elektronische Musik veröffentlichst. Kannst du erst mal vielleicht den Hörern und Hörern erklären, was Chim San bedeutet, ob das eine Bedeutung hat und warum du dich so nennst.
SPEAKER_01Also ja, Chim San ist auch ein Corona-Produkt mehr oder weniger. Chim San, man kann jetzt ein bisschen überlegen, sozusagen, ich habe ja schon gesagt, ich bin so ein bisschen Japan-Fan. Und in Japan sagt man ja auch immer Sun, wenn man jemanden anspricht und also respektvoll anspricht. Und Chim ist, ah ja, sozusagen mein Namen bloß ohne A.
SPEAKER_02Und vielleicht kannst du das ja dann direkt auf deiner Japan-Reise irgendwie mitnehmen, irgendwas damit machen, ich weiß jetzt auch nicht genau, aber würde sich ja anbieten.
SPEAKER_01Hey klar, einfach in den Club gehen und dann sagen, Schümer.
SPEAKER_02Warum nicht? Also wer weiß, ne? Also manchmal muss man einfach genau das verlangen, was man gerne hätte. Weil mehr als Nein sagen können, die Leute auch nicht.
SPEAKER_03Absolut.
SPEAKER_02Und wie ist so deine Liebe zur elektronischen Musik entstanden oder so zum Produzieren? Weil das ist ja auch nochmal ein großer Schritt, nicht nur selber ein Instrument zu spielen, sondern zu sagen wollte, produziere jetzt elektronische Musik. Ich weiß nicht, ob die Hörer und Hörerinnen eine Vorstellung davon haben, was das alles ist. Also es ist ganz viel natürlich am Computer sitzen, weiß nicht, ob du mit Logic arbeitest oder mit welchen Programmen einfach ganz viel sich mit Sounds und Sounddesign beschäftigen und irgendwie Beats übereinander legen und einfach das Wenigste von dem, was wir heutzutage im Radio hören und in der elektronischen Musik ja schon mal noch weniger, ist ja noch live eingespielt, sondern das sind Samples, das sind Loops, das wird übereinander gelegt und das ist einfach so eine Wissenschaft für sich und das macht man jetzt nicht, das kann man nicht automatisch, nur weil man ein Instrument spielen kann. Deswegen, wieso kannst du das?
SPEAKER_01Also ich konnte das vorher auch noch nicht. Also ich habe damit, als ich angefangen habe, Bass zu spielen, relativ schnell mir auch eine DRW gekauft habe. Das ist sozusagen The Digital Work Audio Station. Also das Programm, womit man die Musik am Computer aufnimmt. Und dann haben wir schon relativ früh mit unserer ersten Band auch schon unsere Instrumente aufgenommen und ganz früher auch noch mit einem Mehrspruchrekorder, das heißt analog auf Kassette aufgenommen. Ich weiß nicht, ob man das noch kennt, die Dinger, die wirklich sehr, sehr cool sind auf jeden Fall. Genau, also das ist schon relativ früh entstanden und über die Corona-Zeit sind natürlich alle Gigs weggefallen und ich hatte sehr, sehr viel Zeit, wie viele freiberufliche Musikerinnen. Da habe ich mich dann eher dafür entschieden, dass ich ein bisschen investiert habe und mir einen Studioraum gemietet habe mit einem Kollegen zusammen und dann angefangen habe ich mich wirklich mal mit Mixing und Produktion auseinanderzusetzen. And my Liebe zur elektronischen Musik kam auch schon relativ free. Also ich came eher aus einem Punk-Rock-Bereich, würde ich sagen. Ganz früher habe ich so Bands gehört wie zum Beispiel Blink 182 oder No of X. These Bands are schon relativ. Also it is either Rockmusik, die unfassbar schnell gespielt, but halt auch schon mit classischem Songwriting kombiniert. Das heißt, die Songs have classische Songformen und sind auch super catchy. And then später, as ich mich dann mehr mit dem IB EDM sozusagen beschäftigt habe, sind natürlich so Artists aufgetaucht wie Zed.
SPEAKER_02EDM, für die die es nicht wissen, bedeutet Electronic Dance Music.
SPEAKER_01Genau, Electronic Dance Music, was auch unfassbar ein großer Bereich ist, sehr, sehr viele Subgenres, und das ist auf jeden Fall noch eine Wissenschaft für sich, das irgendwie auseinander zu dividieren, aber zum größten Teil ist es einfach EDM. Jetzt mein favorisiertes Subgenre, wenn ich das mal so sagen kann, ist so Future Bass und Future Pop. Das heißt, es sind Songs, die irgendwie catchy sind und die natürlich dann auch eine gewisse stilistische Vorgabe haben, verschiedene Samples benutzen, die für das Genre typisch sind. Unter anderem dann auch irgendwie Snare Drums, Bass Drum Samples, die wirklich schon typisch sind für die Songs, die da dann produziert werden. So Artists werden natürlich dann irgendwie Set oder auch zum Beispiel Grey. Das finde ich einfach super geil.
SPEAKER_02Also wir verlinken euch, Hörern und Hörerinnen, auf jeden Fall auch Jim Sons Profil, weil deine Musik, du hast Musik veröffentlicht, die man auch auf allen Streaming-Plattformen sich zu Gemüte führen kann. Und in den Liner-Notes oder in den Shownotes des Podcasts verlinken wir euch das natürlich auch, damit ihr eine Vorstellung davon bekommen könnt, was Achin da gerade beschrieben hat, was das sein könnte mit dem Progressive Face. Und planst du gerade da auch noch neue Veröffentlichungen zu machen oder bist du da gerade an irgendwas dran?
SPEAKER_01Also ich bin da schon immer an so ein paar Sachen dran. Jetzt mit dem Daily Business sozusagen, mit dem Jazzbusiness ist das auch immer eine Prioritätensache. Gerade bin ich jetzt mehr wieder am Komponieren für das Jazzprojekt und mit Sachen auschecken, wer erschäftigt, wieder für mich am Instrument und auch mit anderen Sachen. Deswegen ist das jetzt wieder ein bisschen dahin geshiftet. Aber ich bin da schon an ein paar Songs dran und da kommt auch wieder hin und wieder was. Für mich ist das eher auch dann so ein Outlet, wo ich sage, das ist unabhängig jetzt vom Jazz oder von Musiklibe-Spielen, ist das auch ein sehr gute Ausgleich für mich, wenn ich irgendwie am Computer was mache und mich mit ganz, ganz anderen Stilistik beschäftigen. And these ganzen Möglichkeiten, die man im Jazz hat, vielleicht ein bisschen, sagen wir mal, vor der Tür lässt anders konzentriert. Das ist für mich auch immer sehr, sehr heilsam, irgendwie den Fokus auf was anderes zu richten, auf Eingängigkeit und auf Sound an sich. Der Parameter, the Sound sozusagen, ist da für mich total interessant. Wie klingt irgendwas? Ist die Snare knackig genug? Ist der Song, ist der Song überhaupt gut oder ist er nicht gut? Ja, genau. So welche Sachen spielen eine Rolle.
SPEAKER_02Solche Gedanken sind ja auch selbst für Leute wichtig, die jetzt kein anderes musikalisches Standbein haben, sag ich mal. Weil man ja sonst immer so schnell so im eigenen Saft schmort, wie man so schön sagt. Du bist ja auch Dozent an den Hochschulen in Osnabrück und Rostock nach wie vor. Wenn ich das richtig recherchiert habe, ist das was, was du auch deinen Studierenden mitgibst? Also ich meine natürlich im Studium ist es die Priorität natürlich immer irgendwie das Spiel am Instrument und irgendwie da so weit wie möglich zu kommen. Aber ich finde ja immer, dass sich so ein bisschen das Berufsbild Musiker, Musikerin, unabhängig davon, ob man jetzt nur Jazz macht oder vielleicht auch noch was anderes, dass sich das so ein bisschen geändert hat und dass man echt früh anfangen muss, sich so wirklich Gedanken zu machen, wer man selber damit so eigentlich ist. Und wenn man dann nicht rausguckt, was es so gibt und was es alles vielleicht noch außer der eigenen Blase gibt, finde ich, kann man da schnell irgendwie so ein bisschen verloren gehen. Ist das was, worüber du mit deinen Studierenden redest oder ist das da noch nicht so Thema?
SPEAKER_01Also das ist über die Jahre für mich immer mehr Thema geworden, weil so ein Jazzstudium natürlich dann auch was sehr Spezifisches ist. Es geht dann mit der Tradition los, Standards lernen, Künstler auschecken, Künstlerinnen auschecken, die wirklich auch für die Entstehung des Jazz irgendwie verantwortlich waren. And natürlich am Instrument versiert werden und natürlich besser werden, sich dahingehend zu arbeiten, dass man sich im besten Fall gut ausdrücken kann am Instrument, was ja irgendwie auch eine neverending story ist, im besten Fall. But natürlich mit dem heutigen Musikbusiness hat sich das auch schon sehr, sehr geändert, finde ich. Weil the music business, when many auf den Jazz-Bereich guckt, hat sich ja auch sehr geöffnet. Also meiner Meinung nach muss man heute auch nicht nur gut sein Instrument spielen können anders auf der Bühne wohlfühlen anders ausdrücken können, sondern man muss dann auch als Künstler, als Künstlerin wohlfühlen einfach, dass man eine öffentliche Person ist, im besten Fall dann und natürlich dann auch in dem Business allgemein bewegt. Und das Spielen an sich, die Konzerte geben an sich ist ja auf jeden Fall auch immer der schönste Bereich in dem Job. Aber es ist auch ein sehr, sehr kleiner Bereich eigentlich, weil anderthalb Stunden am Tag sind dann schnell rum beim Konzert. Der Rest des Tages ist man dann irgendwie damit beschäftigt, seine eigenen Sachen zu machen, sich weiterzuentwickeln, aber dann auch irgendwie zu netzwerken oder sich mit Leuten auszutauschen und einfach in Kontakt zu erbleiben, was ja unglaublich wichtig ist heutzutage. Und natürlich dann auch irgendwie in andere Bereiche reinzugucken. Jazz ist für mich auch immer irgendwie eine Musik gewesen, die keine Genregrenzen hat. Und das ist deswegen liebe ich den Jazz bis heute eigentlich, ungemein sozusagen. Weil einfach dieses ganze Spartendenken für mich da irgendwie gar keinen Platz hat. Jazz ist für mich die Weltmusik schlechthin einfach. Und das probiere ich dann auch, den Studierenden irgendwie mitzugeben, dass du jetzt das Solo von Herbie Hancock spielen kannst und das ist total super. Aber genau, also probiere deine Augen und Ohren offen zu halten für andere Sachen und probiere dir anderweitig auch Inspiration zu holen. Weil du möchtest ja dann später im besten Fall dein Geld oder dein Leben damit bestreiten, dass du Musik spielst oder dass du im Musikbusiness arbeitest. Und das ist relativ schwierig, wenn man dann so ein super gut auf seinem Instrument ist, aber dann nicht die Möglichkeiten hat, das auszuleben sozusagen. Das ist schon ein wichtiges Thema, womit ich mich auch immer wieder beschäftige, auf jeden Fall. Wie kann ich das irgendwie besser integrieren in mein Musiker? Eine Antwort habe ich da auch noch nicht gefunden, aber ja.
SPEAKER_02Es ist wahrscheinlich Teil des Weges, die Antwort darauf zu finden. Oder ich weiß gar nicht, ob es eine Antwort darauf gibt. Ich glaube, die Antwort kann sich auch ändern im Laufe des Lebens. Das hätte ich wahrscheinlich am Anfang schon fragen sollen. Wieso eigentlich Bass?
SPEAKER_01Ja, weil Bass eigentlich das beste Instrument ist. Also, ne?
SPEAKER_02Oder wie kam das? Ich meine, dein Vater war Schlagzeuger, hast du gesagt? Hast du auch mal Schlagzeug gespielt oder hast du auch mal was anderes als Bass gespielt?
SPEAKER_01Ich habe schon mit Bass angefangen. Früher habe ich dann auch mal auf dem Schlagzeug ein bisschen rumgeknüppelt und ich finde Schlagzeug bis heute eigentlich das Instrument, wo ich irgendwie sage, hey, das ist, ich weiß nicht, da zieht mich irgendwie so eine Gravitation hin, Rhythmus, Schlagzeug an sich, gar nicht mal Tonhöhen, sind vielleicht auch gar nicht so interessant, sozusagen. Sondern Rhythmus allgemein und der Bass vereint natürlich ganz viele Ebenen. Die rhythmische Ebene, die harmonische und die melodische Ebene. Und deswegen ist es für mich irgendwie das Instrument gewesen, wo ich dann auch gesagt habe, dabei bleibe ich. Fun Fact, wie ich zum Bass gekommen bin, ist irgendwie eine klassische Geschichte. Zwei Freunde von mir wollten eine Band gründen, Gitarrist und Schlagzeuger. Und die beiden habe ich dann irgendwie eingeladen in die Pizzeria und meinte, hier der spielt Gitarre und hier der spielt Schlagzeug. Und dann meinte einer von denen, ja, wir brauchen jetzt noch einen Bassisten, will nicht Bass spielen. Und dann meinte ich, ja gut, spiele ich halt Bass.
SPEAKER_02Das ist wirklich eine klassische Geschichte. Und sag mal, sind die beiden Kollegen heute auch Musiker oder machen die was anderes?
SPEAKER_01Yeah, it is auf jeden Fall sehr witzig. The one, the schlagzeuger, is a musicle geworden. And the other, the guitarist, in Mainz Jazz Guitar studied and toured in America. Also leider not so much contact, but one of the beiden is auf jeden Fall Profi-Musiker geworden.
SPEAKER_02Das ist ja mega. Guck mal, dann hat deine Entscheidung anderer Hilfe leistung, was zu spielen in einem Trio dazu geführt, dass ihr alle drei quasi an der Musik geblieben seid.
SPEAKER_01Yeah, so ist das.
SPEAKER_02Und wie geht's bei dir jetzt weiter? Vielleicht noch zum Abschluss? Was hast du so für Pläne, außer nach Japan zu fahren? Gehst du nochmal mit Trilog Gurto auf Tour oder nur noch mit deiner eigenen Musik? Oder was möchtest du den Hörern und Hörerinnen noch mitgeben?
SPEAKER_01Also jetzt bei mir ist jetzt gerade wieder so ein bisschen mehr Komposition angesagt und ein bisschen mehr neue Sachen schreiben, neue Skizzen machen. Aber natürlich auch mit dem aktuellen Album noch Konzerte spielen und da stehen jetzt noch ein paar schöne Konzerte an. Unter anderem spielen wir bei einem großen Jazzfestival im Süden, bei den Leverkusener Jazztagen. Im November ist es, der Termin ist noch nicht ganz klar, aber darauf freue ich mich auf jeden Fall schon sehr. Und im nächsten Jahr sind wir auch ein bisschen unterwegs mit dem Album. Ja, und was ich den Hörerinnen und Hörern noch mitgeben könnte, ist einfach viel mehr Jazz hören, auf viel mehr Jazzkonzerte gehen, vor allem auch in Hamburg. Gibt es super viele Möglichkeiten hier, sich in der Szene zu tummeln und es vor allem auch weiterzugeben, dass Jazz allgemein einfach sehr hörenswert ist und die Wahrnehmung einfach um noch ein bisschen mehr aufzumachen, dass Freundinnen und Freundinnen zu erzählen, dass es das gibt und dass es die Musikrichtung da ist, sozusagen.
SPEAKER_02Sehr gut. Sag mal noch vielleicht kurz deine Homepage, damit die Leute wissen, wo sie dein ganzes Material sich zu Gemüte führen können.
SPEAKER_01www.achimseifert.com und natürlich auch auf Instagram und ja, noch ein bisschen Facebook. Bei mir ist es mehr Instagram sozusagen.
SPEAKER_02Sehr gut, macht das. Auch wenn ihr selber Bassisten oder Bassistinnen seid oder auch andere Instrumente spielt, auf Achims Homepage kann man sich sogar auch ein paar Transkriptionen runterladen, habe ich gesehen. Das ist ein großer Fan von Transkriptionen. Das ist für die, die das noch nie gehört haben, wenn man sich solos anderer MusikerInnen raushört und die selber auf dem eigenen Instrument nachspielt und mitspielt. Und damit lernt man quasi die Sprache, so wie Kinder eine Sprache lernen, indem sie den Eltern was nachsprechen, so lernen wir oft unsere musikalische Sprache, in denen wir anderen MusikerInnen, die wir toll finden, quasi nachsprechen, was die sagen und uns dann Gedanken drüber machen und dann versuchen, unsere eigene Sprache zu finden. Und natürlich auch wie immer von meiner Seite die Aufforderung, Jazzkonzerte zu besuchen, sich diese unfassbar vielen Platten anzuhören, die quasi minütlich gefühlt erscheinen. Gerne nochmal der Hinweis zu jazz-moves.de, das ist Jazz Moves Hamburg, der Blog, den ich am Anfang schon erwähnt habe. Da gibt es einen Konzertkalender, der wirklich tagesaktuell Hamburger Konzerte abbildet. Aber nachdem ich ja weiß, dass wir auch Hörer und Hörerinnen in sehr vielen anderen Städten haben. Ihr könnt natürlich auch alle mal an Hamburg vorbeikommen, das ist super hier. Aber in eurer Stadt gibt es bestimmt auch ein vergleichbares Tool. In Berlin gibt es einen Jazzkalender, in Köln auf jeden Fall. Also schaut euch einfach um, probiert das mal aus. Ich meine, wenn ihr unseren Podcast anhört, wart ihr vermutlich auch schon mal auf einem Jazzkonzert. Falls ihr nur den Podcast hört und noch nie auf einem Jazzkonzert wart, ist das super abgefahren und dann solltet ihr auf jeden Fall euch auch mal ein Konzert anhören. Und ansonsten wünsche ich euch allen auch alles Gute. Bedanke mich herzlich bei dir, Achim, für deine Zeit und für das Gespräch.
SPEAKER_01Ja, vielen Dank, Steffi, dass ich hier sein konnte.
SPEAKER_02Sehr gerne. Und wir hören uns bald wieder. Bis dann. Tschüss.