Jazz Moves Schnack

JAZZ MOVES SCHNACK: HEDWIG JANKO

Stephanie Lottermoser

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0:00 | 57:11

Hedwig Janko ist Saxofonistin, Komponistin und Bandleaderin. Neben ihrer eigenen musikalischen Tätigkeit unterrichtet sie und engagiert sich unter anderem für die Jazz Kitchen und die Jazz Federation Hamburg - und das alles, wahrend sie noch an der Musikhochschule studiert.

Warum es ihr wichtig ist, sich von Anfang an in der Szene einzubringen, wie sie und ihre Generation die Arbeit als freiberufliche Musiker*innen sehen und welche Neujahrsvorsatze sie sich gesetzt hat, bespricht sie mit Stephanie Lottermoser in dieser Folge des Jazz Moves Schnack.

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Homepage Hedwig Janko

Jazz Federation Hamburg

Jazz Moves Schnack - der Podcast von Jazz Moves Hamburg über Jazz und darüber hinaus, moderiert und produziert von Stephanie Lottermoser.

SPEAKER_02

Ich hab das Gefühl, ich habe mich schon so zu sehr verflochten in dieser Stadt oder in die Szene und mir gefällt es auch hier echt, dass ich zumindest im Moment, also ich frage mich in zehn Jahren nochmal, aber ich habe sehr, sehr Lust, gerade irgendwie ein paar Jahre wirklich erstmal hier zu sein und irgendwie mehr mich hier einzubringen.

SPEAKER_00

Ihr hört den Jazz-Moves-Schnack mit Stefanie Lottermoser.

SPEAKER_04

Moin und herzlich willkommen zum Jazz Moves Schnack, dem Podcast über Jazz und darüber hinaus aus Hamburg. Mein Name ist Stefanie Lottermoser und ich spreche hier in regelmäßigen Abständen mit spannenden AkteurInnen aus und um den Jazz. Ich hoffe natürlich erst einmal, dass ihr alle einen guten Start in das neue Jahr 2025 hattet. Ich weiß, wir haben viel zu lange keine neue Folge veröffentlicht. Das liegt zum anderen daran, dass ich sehr lange selbst auf Tour war und das irgendwie nicht geschafft habe, das unterwegs einzubinden. Und wir holen das aber jetzt umgehend nach. Und zum Jahresanfang gehen wir in der heutigen Folge auch eher in den vielleicht Anfangsbereich einer professionellen Karriere als Jazzmusikerin. Das ist heutzutage oft das Studium an einer Musikhochschule. Und ich habe eine Musikerin zu Gast, genauer gesagt eine Altsaxophonistin und Komponistin. Die ist aber, glaube ich, schon eher am Ende des Anfangsbereiches, also am Ende ihres Studiums. Sie spielt aber außerdem auch bereits Konzerte unter ihrem eigenen Namen. Sie war unter anderem auf dem Jazz Truck beim Elp Jazz zu Gast. Sie engagiert sich sehr in der Reihe Jazz Kitchen der Jazz Federation Hamburg und sie war auch eine längere Zeit Studentensprecherin am Jazzinstitut und noch vieles mehr, aber darüber reden wir jetzt. Herzlich willkommen, Hedwig Janko.

SPEAKER_02

Danke, ich freue mich sehr, sehr, sehr hier zu sein.

SPEAKER_04

Hedwig, wie war dein Jahresanfang? Hast du dir Vorsätze genommen und wenn ja, wie steht es darum?

SPEAKER_02

Ich habe mir keine Vorsätze genommen. Dadurch steht es nicht allzu schlecht. Irgendwie, ja, ich weiß gar nicht, ob ich das jemals gemacht habe mit diesen Vorsätzen. Auf jeden Fall ist es lange her, dass ich sowas mal getan habe. Und dadurch war der Start des Jahres auch sehr entspannt. Also ich habe zum ersten Mal, glaube ich, auch seit Jahren wieder relativ viel Luft, so in der Jahreshälfte am Anfang und habe wenig Konzerte und ja, genieß es sehr, weil das war dann die letzten Jahre doch ein bisschen viel.

SPEAKER_04

Gibt es große Dinge oder Punkte, die dieses Jahr bei dir anstehen? Wo stehst du in deinem Studium gerade?

SPEAKER_02

Ja, eigentlich würde mein Abschluss anstehen. Aber den werde ich noch im Mann ja verschieben. Dadurch steht auch nicht so viel an.

SPEAKER_04

Ja, aber das ist doch super. Das heißt, du hast eigentlich total viel Zeit, auch für dich noch zu überlegen, wie geht es mit deinem eigenen Projekt weiter, wie geht deine musikalische Reise weiter. Und natürlich will man ja bei einem Studium idealerweise auch wahnsinnig viel üben.

SPEAKER_02

Ja. Ja, ich freue mich sehr, dass ich halt dafür auch jetzt wieder Zeit habe. Also ich glaube, das Jahr wird hoffentlich so ein bisschen sowas wie wieder nochmal irgendwie alles zusammennehmen und auch irgendwie endlich mal wieder mehr Zeit haben zum Üben und viel um meine Band mich kümmern und Musik schreiben. Das wäre vielleicht so ein Vorsatz für das Jahr, wenn ich ihn mir jetzt noch setzen würde.

SPEAKER_04

Auf jeden Fall ein schöner Vorsatz und einer, der ja auch unabhängig vom Jahresang wahrscheinlich ansteht. Über dein Projekt sprechen wir natürlich auch noch ein bisschen. Wir stellen ja unsere Gäste zu Beginn der Folge immer vor. Und das tut auch heute wieder Felix Tennenbaum. Bitte sehr.

SPEAKER_05

Just listen.

SPEAKER_01

Die Jazzsaxophonistin und Komponistin Hedwig Jankow wurde 2001 bei Leipzig geboren. Mit fünf Jahren begann sie Klavier zu lernen. Mit elf entdeckte sie das Saxophon und spielte bald darauf in verschiedenen Big Bands und Jazzensembles. Sie besuchte die Rudolf-Hildebrand-Schule in Markkleeberg und später ein vorkollegiales Programm an der Neuen Musik in Leipzig. Seit Oktober 2021 studiert sie Jazzsaxophon, Flöte und Klarinette an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Zudem unterrichtet sie an der Musikschule Karin Klose und ist aktiv in der lokalen Jazzszene, wo sie die Jazz Kitchen-Serie der Jazz Federation Hamburg für junge MusikerInnen mitorganisiert und im Vorstand tätig ist. Sie ist sowohl Bandleaderin von Hedwig Jankos Dialect als auch Sidewoman in verschiedenen anderen Formationen.

SPEAKER_04

Stimmt das soweit? Haben wir irgendwas vergessen? Das ist sowieso schon wahnsinnig viel.

SPEAKER_02

Das stimmt alles. Ja, ich glaube, das ist so ziemlich das, was auf meiner Webseite steht.

SPEAKER_04

Zum Großteil, ja. Da gucke ich natürlich auch immer rein und bin sehr dankbar, wenn ich da Informationen finde. Webseiten, Wikipedia-Einträge, Social Media Seiten, da tobe ich mich aus, bevor ich hier mein Referat vorbereite über die Gäste. Alles, was Felix uns jetzt erzählt hat über dich, sind ja eigentlich schon die Aufgaben, die viele haben oder versuchen zu erfüllen, wenn sie eigentlich schon voll im freiberuflichen Profi-Business sind, sozusagen. Also viele Studierende wollen ja eigentlich hauptsächlich üben während ihres Studiums. Das ist ja auch fair enough. Also, weil selten hat man später nochmal so viel Zeit, theoretisch dafür. Aber du hast auch noch ein eigenes Projekt, du bist in verschiedenen Bands als Sidewoman tätig, du unterrichtest, du warst eine ganze Wahl Studierensprecherin und du engagierst dich ehrenamtlich. Was motiviert dich denn dazu, so viele Aufgaben schon übernehmen zu wollen?

SPEAKER_02

Also für mich fühlte sich das total natürlich an, in der Szene, in der ich halt arbeite oder arbeiten möchte, vorhabe zu arbeiten, mich nicht nur irgendwie musikalisch auszudrücken, sondern auch was dazu beizutragen, dass es die Szene noch gibt, wenn ich dann da arbeiten möchte? Ich kann gar nicht so richtig sagen, was meine Motivation dazu ist, aber ich glaube, es liegt mir einfach total am Herzen, in einem guten Kontakt zu stehen mit allen AkteurInnen, die irgendwie in dem Umfeld arbeiten, in dem ich auch arbeiten möchte. Ja, ich glaube, das ist alles, was mir dazu einfällt gerade.

SPEAKER_04

Aber ist dir mal in Gesprächen mit deinen Kollegen und Kolleginnen an der Hochschule aufgefallen, dass das bei den meisten anderen nicht der Fall ist? Also nicht, dass die sich nicht für die Szene interessieren, aber dass das Engagement, das du an den Tag legst, schon dafür, dass du eigentlich noch studierst, schon ein ganz schön Großes ist?

SPEAKER_02

Das stimmt, das ist, also das fällt mir natürlich auf, vor allem dann immer, wenn es auch darum geht, für irgendwelche Teams Nachwuchs zu bekommen oder neue Leute dafür zu begeistern, sich auch zu engagieren oder so. Das ist tatsächlich relativ schwer leider. Und ja, ich glaube, ich habe schon immer so die Verantwortung für bestimmte Dinge sehr schnell einfach an mich gerissen. Vielleicht, weil ich einfach so aufgewachsen bin oder irgendwann erkannt habe, dass es irgendwie notwendig ist oder sehr, sehr gut sein kann, wenn man einfach sich um Sachen kümmert.

SPEAKER_04

Ich meine, du bist ja auch schon jetzt Bandleaderin, das wird dir dabei auf jeden Fall helfen, weil in den wenigsten Fällen tun da Leute automatisch außerhalb was für einen, wenn man sich nicht selbst darum kümmert.

SPEAKER_02

Ja, total. Ja, aber ich muss sagen, also in die ehrenamtliche Arbeit in Hamburg bin ich reingerutscht. Das war nicht eine Sache, die ich direkt oder wo ich drauf zugegangen bin, die ich an mich gerissen habe, sondern also die Jazz Kitchen-Konzertreihe gab es ja schon ein paar Teamgenerationen, bevor ich da hingekommen bin.

SPEAKER_04

Die Jazz Kitchen, kurz für die Hörer und Hörerinnen, die das nicht kennen, ist eine Reihe innerhalb der Jazz Federation Hamburg. Die Jazz Federation wiederum ist ein Verein, der Konzerte veranstaltet und MusikerInnen unterstützt. Es gibt auch oft eine Reihe, die jetzt, glaube ich, Jazz Heroes, wo man sich einen sozusagen Star, Gast, Mentor, Mentorin aussuchen kann. Diese Person wird dann im Idealfall nach Hamburg eingeladen und man spielt mit da zusammen. Achim Seifert hat zum Beispiel gerade mit Hayden Schischholm gespielt, großartiger Allsaxophonist und eben die Jazz Federation hat auch eine Reihe gezielt für Nachwuchsförderung. Magst du dazu kurz was sagen?

SPEAKER_02

Genau, genau. Also die Jazz Kitchen wurde mal gegründet, auch durch, soweit ich weiß, Studierende der Jazzabteilung der Hochschule in Hamburg. Und ja, zielt darauf ab, eben der jungen Szene in Hamburg und NachwuchskünstInnen eine Bühne zu bieten, die nicht einfach nur eine Bühne ist, sondern auch die Leute da unter fairen Konditionen spielen lässt. Also das ist so ziemlich das Alleinstellungsmerkmal der Reihe, was ich auch bevor ich da angefangen habe mitzuarbeiten, nicht gedacht hätte. Dass es doch tatsächlich so wenige Orte gibt oder eigentlich keine anderen Orte gibt, die ich zumindest kenne in der deutschen Jazzszene, in der da so viel Wert drauf gelegt wird, was eigentlich total schade ist. Das heißt, die Leute bekommen immer eine Festgabe bezahlt? Ja, also wenn die Förderungen stimmen, das ist natürlich jedes Jahr irgendwie aufs Neue auch eine große Herausforderung. Und dieses Jahr bin ich sehr, sehr dankbar, dass wir das wieder machen können, auch wenn es am Anfang nicht so gut aussah. Oder ich zum Ende des letzten Jahres noch befürchtet hatte, dass es dieses Jahr deutlich schwieriger wird und wir viel weniger Förderungen bekommen werden. Und dann haben wir kurzfristig eben doch Förderungen von der Adabert-Sayerdat-Stiftung bekommen, von der Hamburger Volkswagen-Stiftung und von der Hamburgischen Kulturstiftung. Wow, super. Was mich echt riesig gefreut hat und mir so ein Stein damit vom Herzen gefallen ist, weil wir halt immer so ein bisschen, also natürlich auf die Eigenmittel des Vereins der Jazz Federation Hamburg, ja auch darauf zurückgreifen dürfen. Aber wenn wir das tun würden, dann wären das auf keinen Fall fair bezahlte Konzerte. Also dann würden wir den Bands irgendwie 150 Euro, wenn es gut läuft, zahlen können. Und auch auswärtigen Bands, sofern die dann kommen würden, eben keine Übernachtungs- und Fahrtkosten. Also das ist dann alles diese Aufstockung der Gage, mit der wir uns an der Mindestgage auch der Empfohlenen von der deutschen Delson orientieren wollen. Das aufzustocken und eben für auswärtige Bands, die Spesen zu zahlen, geschieht alles nur durch die Fördergelder. Und wenn es die nicht gäbe, dann könnten wir das wahrscheinlich gar nicht machen. Und dadurch gäbe es auch wahrscheinlich diesen Austausch gar nicht erst, auch mit auswärtigen Bands aus anderen Städten, aus anderen Szenen, wo ich auch finde, dass das gerade das Tolle ist an der Jazzkitchen.

SPEAKER_04

Das ist ja für dich auch gerade spannend, weil du ja Leute triffst, die wahrscheinlich auch noch im Studium sind oder gerade raus. Und du ja eigentlich so deine, ich sag mal, die Kollegen und Kolleginnen in deiner Generation direkt triffst und kennenlernst.

SPEAKER_02

Ich finde es super spannend. Und ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, wie viel mir das gibt, bevor ich es dann gemacht habe. Wodurch ich vielleicht auch so ein bisschen verstehen kann, warum nicht alle sich da irgendwie direkt für bereit melden oder sich direkt melden, wenn man da jetzt sagt, hey, wir brauchen unbedingt Teamzuwachs. Das war jetzt vor einem halben Jahr so und es war wirklich schwierig, neue Leute zu bekommen. Aber seitdem ich dabei bin, bin ich auf jeden Fall super dankbar, dass ich auch damals durch einen Kommiliton, der eben schon im Team war, der mich da reingeholt hat und ich erst ein bisschen zurückgeschreckt bin, weil ich dachte, oh, ich kann das doch gar nicht, ich habe noch nie einen Förderantrag geschrieben oder irgendwas mich um sowas derart gekümmert. Und bin super dankbar, dass da irgendwie er das in mir trotzdem gesehen hat oder das Vertrauen noch hatte, dass wir das ja alle zusammen machen und zusammen lernen. Und ich habe auf jeden Fall super viel gelernt durch diese Reihe.

SPEAKER_04

Das Ding ist ja von den vielen MusikerInnen, die sonst, die älter sind, ein bisschen und in diesen Strukturen arbeiten, denen hat das auch nie jemand beigebracht, befürchte ich fast.

SPEAKER_03

Das ist irgendwie das Beruhigende auch.

SPEAKER_04

Deswegen, das ist ja so ein Bereich, der im Studium an sich so ein bisschen ausgeklammert vielleicht ist. Dieses ganze Fördersysteme, möchte ich daran teilhaben, muss ich vielleicht daran teilhaben? Wenn ja, wie mache ich das? Und ehrenamtliche Arbeit, ein Großteil der Jazzarbeit in Deutschland, beruht auf ehrenamtlicher Arbeit und auf Vereinen. Das darf man wirklich nicht vergessen und auch da, egal wo man hinschaut, eben die Jazz Federation oder ob man in Hannover, der Jazz Club, da ist ein Verein dahinter, in Minden im Jazz Club ist ein Verein dahinter und so weiter und so fort. Es gibt ganz wenige Clubs, die wirklich privatwirtschaftlich finanziert sind in Deutschland. Viele von denen haben auch arge Nachwuchsprobleme, das weiß ich, weil die mir das oft erzählen, wenn ich da irgendwie zu Gast bin und da auftrete. Ja, also die Frage ist, wo bekommt man die Leute denn dann her oder was für Kampagnen muss man denn fahren, damit man irgendjemanden erreicht.

SPEAKER_02

Es ist wirklich schwierig und ich kann das zu einem Teil auch hundertprozentig einfach verstehen, weil natürlich auch in so einem Musikstudium ich das Gefühl habe, einem wird suggeriert, irgendwie man müsste sechs Stunden am Tag üben und sich um die Projekte kümmern und dann muss man auch nicht mehr so gut. Und wenn man das schafft, dann ist es schon, dann hat man schon so viel gewonnen. Und sich dann auch noch zu engagieren in einem Studienplan, der ja auch irgendwie jedes Jahr gefühlt voller wird und mich auch letztes Jahr so an meine Grenzen gebracht hat, dass ich gesundheitlich irgendwie einen Schritt zurücktreten musste. Dann kann ich natürlich nicht sagen, hey Leute, macht mal alle, weil ich weiß ja selber, dass es auch echt herausfordernd ist. Und ja, von daher bin ich auch super dankbar, dass wir zum Beispiel in dem geschäftsführenden Vorstand der Jazz Federation im Moment so gut aufgestellt sind, dass wir so divers aufgestellt sind mit gerade zwei Frauen, zwei Männern, zwei etwas älteren, zwei jüngeren Leuten, dass das eigentlich perfekt ist. Aber klar, man weiß halt nie, wie es weitergeht und oder wer danach kommt oder nicht nachkommt.

SPEAKER_04

Ich habe manchmal in Deutschland das Gefühl, dass mit Menschen, ich sag mal, über 40 oder über 45 auf einmal irgendwas Wundersames passiert und sie auf einmal Jazzclubs als Freizeitar für sich entdecken. Über die Medien passiert das ja selten, weil Jazz einfach nicht so viel im Fernsehen fast gar nicht und im Radio abnehmend passiert. Da steht Hamburg noch besser da mit dem NDR als viele andere Bundesländer.

SPEAKER_05

Das stimmt.

SPEAKER_04

Aber auch durch die Sandestreckenzusammenlegung beim Radio ist das ja auch alles noch so ein bisschen unklar. Aber ich hoffe, dass das auf jeden Fall weiter so bleibt, dass Menschen in einem bestimmten Alter Jazz auf einmal für sich als Freizeitaktivität entdecken. Aber man hat eigentlich schon immer das Gefühl, man müsste irgendwelche Aufmerksamkeitskampagnen sich ausdenken, weil das einfach so eine Nischenmusik ist. Und uns ist das, glaube ich, oft nicht so bewusst, weil wir ja irgendwie 24-7 damit beschäftigen und mit KollegInnen sprechen und alle kennen die gleichen Leute und hast du das schon gehört und das hier ist krass und so, aber wenn man dann mal irgendwie so ganz außerhalb davon Leute darauf anspricht.

SPEAKER_02

Absolut, ja. Ich vergesse total immer, also regelmäßig, in welcher Nische ich mich eigentlich bewege oder in was für eine Bubble ich stecke, dass ich eigentlich, ich habe letztens überlegt, ob ich noch irgendwelche FreundInnen habe, die gar nichts damit zu tun. Entweder also nicht musik hauptberuflich machen oder ich nicht kenne, weil wir mal zusammen Musik gemacht haben. Und mir fallen einfach wirklich keine mehr ein. Also das ist super krass irgendwie. Ich war letzte Woche auf einer WG-Party und da hat mich jemand gefragt, als ich dann erzählt habe, dass ich Saxophon spiele, wie nochmal ein Saxophon aussieht. Und irgendwie war ich halt, also erst, ich dachte erst, er verarscht mich, aber dann später dachte ich mir so, eigentlich total schön. Und ich war auf einmal so dankbar dafür, dass diese Frage kam, weil es mir gezeigt hat, dass ich irgendwie endlich mal, wo mich aufgehalten habe, endlich mal in einem Umkreis war, wo Leute nicht unbedingt in derselben Ecke stecken wie ich. Voll. Aber ja, es kommt immer natürlich total selten vor, dass man mal solche Leute trägt.

SPEAKER_04

Es ist mir aber genau das Gleiche mir auf Veranstaltungen außerhalb der Musikbubble durchaus auch schon passiert, dass Leute dann, wenn ich gesagt habe, ich spiele Saxophon, nicht wussten, also was ist jetzt eine Posaune, was ist eine. Trompete kannten die meisten irgendwie noch, aber so Saxophon-Posaune war so nicht direkt sofort klar, was das ist. Und ich habe mich letztes Wochenende auf einer Veranstaltung mich mit einem Mann unterhalten, der arbeitet im Finanzsektor und hat dann gefragt, was ich beruflich mache. Und dann habe ich gesagt, ja, ich bin freiberufliche Musikerin und ich bin viel auf Tour und habe ihm das so beschrieben und er meinte einfach nur, oh, das klingt ja total anstrengend.

SPEAKER_02

Ja, ist es vielleicht auch.

SPEAKER_04

Ist es auch oft, aber für ihn war einfach so, weil er es sehr in so einem routinierten Geschehen natürlich und hat seine festen Zeiten und arbeiten natürlich wahrscheinlich sehr gewinnoptimiert oder einfach, das sind ganz andere Denkstrukturen, die seinem Beruf zugrunde liegen als unserem. Und deswegen findet er, glaube ich, auch das Risiko, mit dem das verbunden sein kann, auch total waghalsig. Und das fand ich aber auch interessant, weil er gesagt hat, das klingt ja total anstrengend einfach irgendwie. Die Tätigkeit als freiberufliche Jazzmusikerin oder als freiberufliche Jazzmusiker, das hat sich ja geändert. Also noch in den 1950er Jahren zum Beispiel war es ja üblich, dass man mehrere Tage bis mehrere Wochen mit seiner Band in einem Club an einem Ort gespielt hat. Das kann sich heute kaum noch jemand vorstellen. Und dass sich das vielleicht auch noch auf eine andere Art selber getragen hat und noch nicht auch so viele Fördermittel überhaupt zur Verfügung standen und dann eine Bereitschaft vom Staat da war, da auch mitzuwirken. Sind das denn Themen, die du mit deinen KommilitonInnen besprichst so? Also jenseits von deiner ehrenamtlichen Tätigkeit unterhaltet ihr euch darüber, wie ihr die Branche einschätzt oder ist das was, was für viele dann noch so weit weg ist, dass man dann erstmal erwartet, wie es dann konkret aussieht, wenn der Abschluss dann da ist und man dann wirklich muss?

SPEAKER_02

Ich glaube, es ist schon für die meisten eher noch sehr weit weg. Also, ich hatte solche Gespräche, ehrlich gesagt, in letzter Zeit mit KommilitonInnen nicht. Ich glaube, wenn man sich mal so über die Zukunft unterhält, dann natürlich irgendwie über die Ängste, die man hat oder über so die Vorstellung, wie viel werde ich unterrichten müssen oder wie viel werde ich einen Job haben müssen, der mir irgendwie so ein bisschen eine Steady-Basis gibt. Und dass sozusagen das Ziel ist, so wenig wie möglich davon zu machen. Aber. Wie viel unterrichtest du jetzt gerade? Ich mache einen Tag in der Woche und der ist auch sehr, sehr entspannt. Also ich habe gerade wirklich nur vier oder fünf SchülerInnen. Es kommen gerade ein paar mit Probestunden zu mir, deswegen kann ich es immer nicht so genau sagen. Und ich hoffe auch, oder es wäre schön, wenn es bei dem einen Tag bleibt, weil es doch viel Zeit nimmt, die ich mich mit Üben beschäftigen würde oder Musik schreiben würde. Und auch dieser eine Tag, an dem man in der Schule unterrichtet, ich das Gefühl habe, ich kann danach nicht üben, ich kann davor nicht üben und also schon nicht allein wegen der zeitlichen Komponente, sondern auch weil mein Kopf irgendwie so ganz anders eingestellt ist an diesem Tag. Ja, das bindet ganz viel Energie nach. Genau, genau. Und auch wenn ich dann dazwischen dort mal in der Musikschule eine halbe Stunde oder eine Stunde Pause habe, dann manchmal nehme ich mir dann vor, dazwischen noch schnell was für mich zu checken, was zu üben oder so. Und es funktioniert in den allerwenigsten Fällen.

SPEAKER_04

Du musst ja den ganzen Tag beim Unterrichten eine wahnsinnige Aufmerksamkeit haben, weil du ja ständig Input geben musst. Es ist auch eine andere Art.

SPEAKER_02

Also es ist auf einem anderen Level. Ich finde, es macht auch Spaß. Also ich finde diesen einen Tag in der Woche super. Und es gibt mir manchmal auch total viel, da mit den so jungen Leuten auch in Kontakt zu sein. Und manche habe ich jetzt echt schon ein paar Jahre. Und es ist total schön, einfach zusammen irgendwie ein bisschen. Selbst wenn man sich eine halbe Stunde oder die halbe Stunde, die sie da sind, zum Großteil nur unterhält oder erstmal versucht, ein bisschen Sachen abzufangen, die vielleicht da so in der Schule die Woche los waren oder so. Und dann noch ein bisschen Musik hört, ein bisschen Musik macht, so, dann finde ich, dann ist es schon eigentlich das Ziel erreicht für diese Stunde. Also ich mag das nicht, wenn Musikschulunterricht auch so komplett eigentlich nur so ein Konkurrenzkampf ist und wer muss jetzt hier wen wohin bringen. Von daher, ich finde, es kann doch total schön sein, aber der eine Tag in der Woche fühlt sich für mich im Moment super an. Und ich hoffe, es bleibt noch eine Weile so.

SPEAKER_04

Aber das heißt, dass das ein Thema unter Studierenden ist, dass man davon ausgeht, dass man quasi einen Teil seiner Zeit für Unterrichten aufbringen muss, wenn man denn irgendeine Stabilität oder irgendein, ich sag mal, Grundeinkommenfestes schon mal haben möchte?

SPEAKER_02

Ich glaube schon. Also wie gesagt, solche Gespräche finden selten statt, aber ich glaube schon, dass es so ein Grundkonsens ist, auf den sieht man. Also es entspricht ja auch durchaus der Realität, wenn man es umguckt. Ja, oder eben die Leute, die sagen, hey, ich mag absolut nicht unterrichten, dann eben was Vergleichbares. Keine Ahnung, manche spielen ja auch in den Musicals in Hamburg irgendwie schon immer mal mit und dann ist das halt so ziemlich das Vergleichbare zu einem Tag Unterrichten.

SPEAKER_04

Wie geht's dir denn mit dem Thema weibliche Lehrkräfte an der Musikhochschule? Da steht ja jetzt leider, muss man sagen, das Jazzinstitut in Hamburg auch nicht gerade rühmlich da. Ich glaube, ihr habt eine Gesangslehrerin gerade, die kennen Norris Stelle vertritt.

SPEAKER_02

Genau. Oder Ulita Knaus? Genau, Ulita vertritt im Moment kennen und wir haben eine Saxophon-Professorin für die Klassikunterrichtsstunden für die Jazzabteilung. Also tatsächlich im Jazzbereich, aber inhaltlich nicht Jazz. Ja.

SPEAKER_04

Macht das was mit dir, dass du, oder ich weiß nicht, wie es vorher in Leipzig bei deinem Saxophonunterricht war. Du bist ja auch, glaube ich, immer noch Mitglied im Landesjugend Jazzorchester Sachsen. Mittlerweile nicht mehr, ich leber. Aber wie ist denn deine Vergangenheit mit lehrenden Personen? Waren das immer überwiegend Männer und hat das was mit dir gemacht?

SPEAKER_02

Ja, also ich glaube, lehrende Personen oder auf Saxophonunterricht bezogen, auf jeden Fall, hatte ich bisher keine Saxophone-Lehrerinnen. Außer eben jetzt diese Klassik-Dozentin an der Hochschule. Aber in Leipzig hatte zwei auch sehr, sehr coole Saxophon-Lehrer, denen ich total dankbar bin, ohne die ich jetzt, glaube ich, auch nicht hier wäre. In Leipzig selber, also mein Musikunterricht, ich war ja an diesem Musikgymnasium, das war ein bisschen anders, weil das war quasi Klassik, alles inhaltlich. Da hatte ich natürlich Klavierlehrerinnen. Dann später in der Studienvorbereitung hatte ich nur noch bei Lehrernunterricht. Ich glaube, da gab es grundsätzlich keine Fächer, in denen ich bei einer Frau Unterricht hatte in der Studienvorbereitung. Und dadurch war dann so ein bisschen mein einziger Kontakt oder der Moment, in dem ich angefangen habe, darüber nachzudenken, was das überhaupt mit mir macht oder dass es ja einen Unterschied macht, mit wie vielen Frauen man zusammenarbeitet oder bei denen Unterricht hat oder egal wie, sich halt in derselben Szene auseinandersetzt, hatte ich dann durch das Jugend als Orchester Sachsen auf jeden Fall. Weil das das einzige Jugendheizorchester ist, das ich kenne, dass sich so die Mühe macht, eine gleich aufgeteilte Besetzung zu haben und eine so diverse Besetzung zu haben, sodass ich da wirklich Projekte gespielt habe, in denen war die Band 50-50 mit Frauen und Männern besetzt. Und das war das allererste Erlebnis in meinem Leben, das ich hatte, in so einer Band zu spielen. Und dann gemerkt, halt auch bei diesen Probephasen, man ist ja dann eine Woche zusammen in der Musikakademie und probt. Und da habe ich gemerkt, dass das ja ein komplett anderer Vibe ist. Also das war so ein bisschen augenöffnet. Und dann war ich auf einmal eben auch total dankbar dafür, da spielen zu dürfen. Und dass da eben so eine großartige Projektleitung und Projektkoordination ist, die sich eben da auch so die Mühe macht. Und natürlich ist es nicht leicht, so ein Jugend Jazzorchester so zu besetzen. Und es geht wirklich nur, wenn man da gefühlt jede Musikschule im Bundesland auf dem Schirm hat und weiß, wer wo gerade irgendwie wie in Frage kommen könnte. Genau. Und dann in Hamburg hat sich das wieder so ein bisschen verändert. Also die Big Bands, in denen ich in Hamburg bisher gespielt habe, da saß ich, glaube ich, ich glaube, das meiste waren drei Frauen mit mir. Aber auch an Personen, die mir Unterricht geben oder Bands leiten, in denen ich spiele oder so. Ich glaube, das kann man an einer Hand abzählen, mit wem ich da irgendwie in Kontakt war. Ja, was sehr, sehr schade ist.

SPEAKER_04

Ich habe letzte Woche mal wieder eine Anfrage bekommen, mich in einem Mentorinnenprogramm zu engagieren an einer Musikhochschule in Deutschland. Ich sage jetzt nicht an welcher. Und das ist natürlich immer charmant, wenn man für sowas in Betracht gezogen wird, weil es ja beinhaltet, dass man den Leuten möglicherweise irgendwie was mitzugeben hat oder denen helfen kann. Und es ist aber auch da wieder ein Institut gewesen, oder es ist ein Institut, an dem 100% männliche Lehrkräfte tätig sind. Und wo in dem Mentorinnenprogramm ich, wenn ich das mache, gezielt mit jungen Frauen arbeiten soll, weil das jetzt ein neues Empowerment-Programm ist, das die fahren. Und es wird meistens erwartet, dass man sowas ehrenamtlich macht. Also ich habe wirklich schon regelmäßig solche Anfragen bekommen und an sich, ich finde es ja gut, dass man sich dem Thema irgendwie überhaupt annimmt. Aber ich habe dann auch tatsächlich, meine Antwort auf die erste E-Mail-Anfrage war einfach nur, ob das denn eine bezahlte Tätigkeit wäre, weil da stand nichts davon in der Anfrage. Und dachte auch eigentlich, wie unwürflich, dass sie das nicht dazu schreiben, um was es denn da geht. Und die haben dann auch geschrieben, ja, also da wäre nur von der Stiftung, die dahinter steht, so eine Art Aufwandsentschädigung vorgesehen. Und man soll aber irgendwie acht bis zehn Mal im Semester, was ja schon fast eine, also es ist ja fast wie einmal die Woche jemanden treffen, man soll acht bis zehnmal im Semester mit dieser Person Zeit verbringen oder sprechen, das kann auch online passieren. Ich habe dann auch geantwortet, dass ich, also an sich, also ich sehe die Notwendigkeit für solche Programme. Ich finde es aber schwierig, wenn die Abwesenheit von weiblichen Lehrkräften, die dafür bezahlt werden, dass sie solche Themen auch abdecken, dadurch kompensiert werden soll, dass andere Künstlerinnen, die sich das alles selbst erarbeiten mussten, weil sie auch nie solche Programme hatten, das quasi gratis leisten, nur weil die Hochschulen das nicht hinkriegen, irgendwie Frauen zu beschäftigen. Das ist so schrecklich. Und ich bin dann immer hin und her gerissen zwischen, ja, ich finde es aber trotzdem wichtig und deswegen mache ich es und was für eine Unversteckung. Ja, total. Du hast jetzt noch den Schutz, dass du noch studierst, aber da kannst du dich schon jetzt darauf vorbereiten, dass du solche Anfragen auf jeden Fall auch machst.

SPEAKER_02

Ja, ich meine, das sieht man ja schon alleine. Also es ist nicht ganz dasselbe, aber es gibt ja auch diese Gigs, für die man gefragt wird oder für Bands oder Big Bands, in denen man gefragt wird, ob man da mitspielen will oder so. Wo man sich dann immer so fragt, ob diese Frage gerade daher kam, dass man einfach nur eine Frau ist und es eigentlich egal ist, was man macht. Was natürlich total verletzend auch sein kann. Oder eben, dass das vielleicht nicht im Vordergrund steht und man auch oder im besten Fall für beides eben aus beiden Gründen gefragt wird, weil ja Menschen auch einen musikalisch wertvoll finden. Und ich kann leider nicht mehr irgendwie diese Anfragen, ohne mich das vorher zu fragen, in Betracht ziehen.

SPEAKER_04

Im Hintergrund steht ja auch oft, dass manche Kulturförderungen und Fördertöpfe nur Leuten zugänglich sind, die mehr oder weniger diverse Gruppierungen anbieten. Das bestätigt deine Gedanken, dass man sich dann fragt, warum bin ich denn jetzt eigentlich hier? Aber das ist auf jeden Fall ein Thema. Deswegen kann ich dich nur umso mehr bestärken, ein eigenes Projekt zu machen, weil dann kannst du einfach alles darüber bestimmen, was du machen möchtest. Oder nur mit Leuten zu arbeiten, wo du dir sicher sein kannst, dass es um die richtigen Dinge dahinter geht.

SPEAKER_02

Ja, ist so schwierig, weil eben, ich finde es toll, wenn auch VeranstalterInnen sich diese Gedanken überhaupt machen oder auch BandleaderInnen von Big Bands sich die Gedanken machen, zu sagen, hey, ich will aber eigentlich, dass hier mehr Frauen sitzen und irgendwie müssen die das ja angehen. Und deswegen, das ist auch so ein subtiler und so schmaler Grad zwischen, man fragt eben jemanden aus dem Grund vordergründig, weil es eine Frau ist oder halt nicht. Und irgendwie ist es ja dann aber immer beides. Ja, also es ist super schwer und viel zu tun für die Szene. Und aber auch anhand der Jazz Federation sieht man ja, dass es trotzdem nicht unmöglich ist. Also die Jazz Federation Hamburg setzt sich als Ziel, die ganze Programmplanung, die ganze Programmgestaltung zu 50-50 Divers auch zu gestalten. Ich finde, das sieht man auch auf jeden Fall, wenn man das Programm anhört. Also es ist natürlich nicht einfach, aber es funktioniert und ich kann von, oder jetzt, wo ich auch zum ersten Mal mit in einem der Booking-Meetings da gesessen habe, für die Jazzkitchen natürlich sowieso immer, aber jetzt auch für die Hauptreihe kann ich auch sagen, oder jetzt aus eigener Überzeugung auch sagen, dass das tatsächlich alles nichts damit zu tun hat, dass oder keine Band da nur spielt, weil da Frauen sind, sondern dass so eine individuelle Bewertung der einzelnen Leute aus dem Team ist. Und wenn eine Band großartig ist, dann ist sie großartig. Toll. Genau, und es funktioniert.

SPEAKER_04

Es ist auch durchaus mittlerweile so, dass es relativ viele weibliche oder Projekte mit weiblichen Musikerinnen gibt, wo, also es gibt viele, die großartig sind. Man hat mittlerweile eine Auswahlmöglichkeit, auch wenn sich das manche nicht vorstellen können oder sich noch nicht im Klaren sind, dass das mittlerweile glücklicherweise die Realität ist. Aber ja, ich wünschte mir, dass dann noch mehr Verein und Initiativen sich die Jazz Federation auch tatsächlich mehr zum Vorbild nehmen würden. Weil auch wenn ich mir andere Programme so deutschlandweit anschaue, das ist auf jeden Fall nicht der Regelfall, dass Leute sich, glaube ich, so wirklich. Auf jeden Fall, also dass das quasi Teil der Satzung in Anführungszeichen ist, dass das so passieren soll. Und ich finde das sehr, sehr schön. Und hoffe, dass das auf jeden Fall so weitergeht. Total, ja. Jetzt gehen wir mal nochmal zu den Kulturförderungen, aber ein bisschen anders umgedreht. In den letzten 20, 25 Jahren war es ja schon so, dass in allen Bundesländern die Kulturförderungen schon immer aufgestockt wurden. Trotzdem ist ja in Deutschland, ich glaube, der Prozentsatz vom Bundeshaushalt oder der Prozentsatz an Geldern, der in die Kultur geht, sind 0,6 bis 0,8 Prozent. Und dann haben die Länder natürlich noch immer eigene Mittel und Hoheiten, wie sie wem was verteilen. Und Bundesländer, die in den letzten Jahren da immer sehr gut darstanden im Bereich von Jazzforderungen, waren Nordrhein-Westfalen und Berlin, was auch zur Folge hatte, dass ganz oft StudienabsolventInnen aus anderen Hochschulen in Deutschland gezielt nach Nordrhein-Westfalen, also vor allem nach Köln und nach Berlin gezogen sind. Zum einen, weil da sehr vielfältige und diverse Szenen zu Hause sind und viele dachten, da kann ich mich möglichst gut ausprobieren und weiterentwickeln. Und aber auch, weil viele, ganz ehrlich gesagt, haben, ich glaube, dass ich da die größten Möglichkeiten haben könnte, auch Fördermittel für meine Projekte zu bekommen. Jetzt der Doppelhaushalt 25, 26 sieht in vielen Bundesländern ein bisschen anders aus. Die meisten haben Kulturgelder eher gekürzt. Das betrifft natürlich nicht nur Jazz, sondern auch Theater, Museen, Tanzinstitute. Aber es gibt Festivals, die sehr renommiert sind im Jazzbereich, wie zum Beispiel die Cologne Jazz Week in Köln oder in Berlin das X-Jazz Festival, die, glaube ich, für dieses Jahr noch nicht so ganz sicher planen können, wie es aussieht. Hamburg hat dahingegen als einziges Bundesland den Haushalt aufgestockt, wofür wir hier natürlich sehr dankbar sind. Und Hamburg bekennt sich quasi ganz klar zu dem Kulturauftrag und hat also natürlich auch einfach die Mittel. Man kann natürlich auch nichts herzaubern, was nicht da ist. Aber ich bin sehr gespannt zu sehen, ob das dann in den nächsten Jahren, falls das so bleibt, bewirkt, dass jetzt viel mehr Leute nach Hamburg ziehen. Ja, das bleibt zu sehen, ja. Denkst du da aktiv drüber nach oder planst du so deine Karriere, dass du sagst, okay, Hamburg investiert, dann bleibe ich mal hier oder weißt du, ob andere das sagen?

SPEAKER_02

Also ich habe es jetzt gerade in dem Sommer total viel mitbekommen, eben von KommilitonInnen, die ihr Studium abgeschlossen haben in Hamburg und überlegt haben, wo sie hingehen oder ob sie in Hamburg bleiben oder nicht. Es war irgendwie ein Riesengesprächsthema mit, also gerade einfach so in dem mit den paar Leuten, mit denen ich eben viel zu tun hatte. Und ich habe das schon mitbekommen, dass da die Gedanken auf jeden Fall diese Förderungen auch mit einbezogen haben. Und leider eben auch ich ja mit ansehen musste, wie viele meiner FreundInnen und KollegInnen, KommilitonInnen, die ja immer alles irgendwie gleichzeitig sind, auch dieses Jahr weggezogen sind aus Hamburg. Und wo sind die meisten hingegangen? Nach Berlin und Köln. Ja, total. Also ich glaube, ich glaube, wenn man in Hamburg wohnt, in Deutschland in der Jazzszene arbeiten möchte, dann. Also ich habe von niemandem gehört, der oder die, wenn sie weggegangen sind, nicht nach Berlin oder Köln gegangen sind, weil ich glaube, dann könnte man genauso in Hamburg bleiben. Weiß ich nicht, aber so mein Gefühl. Und ich persönlich, ja, habe da auch immer wieder drüber nachgedacht, oder eben dadurch, dass ich so mitbekommen habe, wie sich meine Freundinnen das da überlegt haben, ob sie dann bleiben oder nicht, was ja auch vielleicht damit zu tun hat, oder nicht nur, dass es in anderen Städten vielleicht besser aussieht, so wie die Szene gefördert ist oder so wie die Szene etabliert ist, sondern eben auch, dass Hamburg-Szene im Vergleich einfach noch nicht so viel vorzuzeigen hat oder vielleicht auch noch so ausbaufähig ist, dass es eben gerade diese Leute braucht, die hier sich engagieren und das eben erstmal alles noch ein bisschen mit aufbauen müssen, ist so mein Gefühl.

SPEAKER_04

Meinst du damit noch mehr Veranstaltungsräume oder mehr Sessions oder welche Art von Strukturen?

SPEAKER_02

Sowohl als auch, würde ich sagen. Oder vielleicht auch, wenn man sich anschaut, wie lange bestimmte Orte und Reihen schon existieren, ist es, glaube ich, auch ein Riesenunterschied zu zum Beispiel Kölnen, wo es einfach, oder Jazzclubs, die es schon so, so lange gibt, dass man davon ausgehen kann, dass das irgendwie sich schon so etabliert hat, dass auch TouristInnen dahin kommen, dass jetzt in Hamburg fällt mir nur das Birdland ein und mehr irgendwie nicht. Und vielleicht braucht es einfach noch ein bisschen Zeit. Und wenn dann alle weggehen, ist es natürlich schwierig, das zu entwickeln. Genau, genau, und das meine ich. Also vielleicht liegt es eben auch daran, dass so eine bestimmte Altersklasse der Szene Hamburg fehlt. Also dadurch, dass eben vor allem im Moment so viele weggehen, gibt es im Moment wenige Leute, oder vielleicht kann man die auch, oder ich kenne sie nicht, oder gibt wenige Leute in Hamburg, die so, weiß ich nicht, Ende 20, Anfang 30 sind und wissen, dass sie hierbleiben und hier arbeiten möchten und sich irgendwie einbringen. Und ich glaube, im Vergleich zu Berlin oder Köln ist es auf jeden Fall eine ganz andere Nummer. Und klar kann ich es dann auch verstehen, dass dann andere sagen, ja, sie ziehen in die Stadt, in der es da irgendwie mehr Gleichgesinnte gibt. Weil man möchte ja auch zusammen spielen oder sich den Input von anderen Leuten holen und nicht eben nur von denen, die älter sind oder jünger oder.

SPEAKER_04

Das ist ein total spannender Punkt. Ich weiß auch natürlich, dass Rika Torber, die Geschäftsführerin von Jazzbüro in Hamburg, die ist natürlich mit dem Jazzbüro immer sehr daran interessiert, dass Leute entweder nach Hamburg kommen oder hier bleiben. Ich habe da auch oft schon mit ihr drüber gesprochen, weil ich auch ein Fan davon bin, dass man nach dem Studium erst zumindest erstmal noch woanders hingeht, weil ich das für mich so einen wertvollen Input empfunden habe. Das muss natürlich nicht für jede Person zutreffen, aber ich verstehe natürlich total ihren Ansatz, weil sie sagt, wir wollen hier ja auch die Szene weiterbilden und irgendwie in Kontakt mit der jungen Generation treten und fragen, was es denn braucht. Und natürlich ist das schwierig, wenn dann viele sagen oder die meisten sagen, ja, ich gehe total jetzt erstmal irgendwie weg. Und ich weiß zu wenig darüber, wie es denn dann den Leuten im Endeffekt geht, die nach Köln oder Berlin wie. Kannst du da was über deine FreundInnen sagen, die da jetzt weggegangen sind? Also es ist wahrscheinlich noch zu kurz, dass sie da sind.

SPEAKER_02

Das ist noch ein bisschen zu kurz, weil ich glaube, man braucht dann ja auch eine Weile, in einer neuen Stadt anzukommen. Und da überhaupt mal, vor allem, wenn man sowieso viel unterwegs ist und so.

SPEAKER_04

Ja. Und ich verstehe auch, wenn manche Leute sagen, ich brauche mal so einen Cut und dann einfach so anders und neu anfangen.

SPEAKER_02

Total. Also ich kann es mir für mich ehrlich gesagt gar nicht vorstellen.

SPEAKER_04

Sehr gut, sage ich einfach aus Sicht der Stadt Hamburg.

SPEAKER_02

Ja, also wie gesagt, ich habe da schon viel drüber nachgedacht und mich so verglichen mit anderen, die eben jetzt weggegangen sind. Und ich habe das Gefühl, ich habe mich schon so zu sehr verflochten in diese Stadt oder in die Szene und mir gefällt es auch hier echt, dass ich zumindest im Moment, also frag mich in zehn Jahren nochmal, aber ich habe sehr, sehr Lust, gerade irgendwie ein paar Jahre wirklich erstmal hier zu sein und irgendwie mehr mich hier einzubringen und genau, mal sehen. Aber auch zum Teil liegt es daran, dass es mich einfach so rein geografisch gesehen einfach wirklich gar nicht weiter in den Süden zieht. Also das wirklich.

SPEAKER_04

Weiter in den Süden von Hamburg aus ist natürlich auch eine Ansage. Im Norden ist ja nicht mehr so.

SPEAKER_02

Das stimmt, nee, aber das war wirklich, oder so rumformuliert, das war ein Kriterium bei mir, als ich überlegt habe, an welche Hochschule ich gehe.

SPEAKER_04

Ah, das wäre meine nächste Frage, wieso du initial nach Hamburg gekommen bist.

SPEAKER_02

Also das war gar nicht so initial. Ich habe auch irgendwie dann echt ein paar Tage gekämpft, mich zu entscheiden.

SPEAKER_04

Weil du mehrere Studienplätze hast.

SPEAKER_02

Genau, ich hatte mehrere Studienplätze. Also ich habe mich, das war halt noch so am Ende der Pandemie, ich habe mich an sechs Hochschulen beworben. Aber schon da, als ich überlegt habe, an welchen Hochschulen ich mich bewerbe, habe ich mich nicht in München und nicht in Köln und nicht in Nürnberg beworben, weil ich dachte, ich will irgendwie in die Ecke nicht. Ich kann gar nicht sagen, warum, weil ich war halt da auch noch nie vorher. Es war halt nur so ein Gefühl, dass ich so dachte, boah, irgendwie, also eigentlich möchte ich lieber wenn, dann weiter in den Norden von Leipzig aus gesehen. Hast du dich in Leipzig auch beworben? Ich habe mich in Leipzig auch beworben. Ich hatte auch einen Platz in Leipzig. Und ich hatte eigentlich fast überall, wo ich mich beworben hatte, einen Platz und ein paar Sachen fielen dann raus, weil zum Beispiel in Dresden und Weimar habe ich mich eigentlich nur so beworben, weil ich dachte, das wären so meine sicheren Orte, wo ich vielleicht am wahrscheinlichsten noch angenommen werden würde an der Hochschule und dann hätte ich zumindest einen Studienplatz. Und ich glaube, in Dresden habe ich dann die Aufnahmeprüfung auch abgesagt, weil ich da dann schon die Zusage für Hamburg hatte. Und letztendlich, ja, Leipzig fiel für mich eigentlich auch raus. Ich habe mich halt da beworben, auch so ein bisschen, um die Option zu haben, falls nichts anderes funktioniert. Genau, aber eigentlich war mir schon, als ich mich beworben habe, klar, dass ich aus Leipzig weg möchte, weil ich halt dann auch irgendwie 20 Jahre ja schon da war.

SPEAKER_04

Und warst du vorher schon viel in Hamburg oder war das so eine Sympathie für die Stadt einfach?

SPEAKER_02

Es war so eine Sympathie. Also ich habe eine Tante, ein Onkel und Cousin, die hier leben. Das ist so. Sind die JazzmusikerInnen? Nein. Aber zumindest zum Teil JazzhörerInnen, was meine Leipziger Familie auch nicht so richtig ist, leider. Und ich weiß nicht, also ich konnte mit Hamburg gar nicht so viel anfangen. Ich war auch, glaube ich, nur irgendwie einmal so, dass ich mich erinnern konnte, 2018 da oder so. Ja. Und so viel mehr konnte ich wirklich gar nicht sagen. Und vor allem dadurch, dass es ja noch Ende der Pandemie war, hatte ich in keiner dieser Hochschulen, außer gerade in Leipzig, wo ich ja sowieso gewohnt habe und Dresden, was ich dann abgesagt habe, eine Prüfung in Präsenz. Stimmt. Das heißt, ich hatte auch keine Chance, vorher mir die Stadt irgendwie mal anzugucken. Also ich hätte natürlich hinfahren können, aber die Studenten kennenzulernen.

SPEAKER_04

Das ging ja alles genau gar nicht.

SPEAKER_02

Genau, also es war super schwer. Ich meine, ich hatte, war schon ganz gut in Leipzig eben angekommen, dadurch, dass ich die Studienvorbereitung gemacht habe und da es so eine ganz schöne kleine Szene gab, auch mit den Leuten. Und ja, und dann hatte ich Plätze in Hannover und Hamburg eben, zwischen denen ich mich dann nicht entscheiden konnte. Okay. Also Leipzig war dann einfach abzusagen, weil ich wusste, ich will der ja eigentlich weg. Und dann aus irgendeinem Grund ist es mir super schwer gefallen, mich zu entscheiden, was ich auch jetzt so im Nachhinein nicht mehr verstehen kann. Also ich weiß noch, dass mein Hauptfachlehrer aus der Studienvorbereitung in Leipzig, als ich dann zu ihm kam und meinte, hey, ich weiß nicht, was ich machen soll. Irgendwie habe ich jetzt so diese zwei Optionen, ich weiß gar nicht, wo ich hingehen soll. Der meinte dann auch so, ey, Hedwig, so, warum überlegst du denn? Ich kann das gar nicht verstehen. Geh doch nach Hamburg, bitte. Wir machen jetzt hier keine Hannover. Warum gehst du denn nach Hovember? Also warum willst du denn nach Hannover? Was willst du denn da? Ja, aber es war wirklich schwer, mich zu entscheiden. Und dann war so, habe ich mich drei Tage mich damit so ein bisschen rumgequält. Und dann gemerkt, hey, eigentlich will ich doch gerne nach Hamburg, weil es ist einfach auch die schönere Stadt. So ganz abgesehen von der Hochschule. Genau. Und natürlich ist es auch reizend in Hamburg, dass diese Nähe zum NDR dann noch da ist. Also ja, klang irgendwie vielversprechender. Auch wenn ich kann es wirklich gar nicht so spezifischer machen. Naja, selbst wenn es ja auch in Stadt.

SPEAKER_04

War es ja dann eine und du sagst ja auch, ich meine, du hast total, du machst so viel hier in der Stadt. Also du bist ja wirklich hier irgendwie angekommen. Insofern scheint es ja die richtige Entscheidung gewesen zu sein. Auf jeden Fall. Es fühlt sich immer noch gut an. Ich will mal endlich noch auch zu deinen musikalischen Projekten kommen. Du spielst in einigen Bands als Sidewoman auch mit, aber hauptsächlich hast du auch ein eigenes Projekt unter deinem Namen. Bis vor kurzem, wenn ich mich richtig erinnere, war das noch das Hedwig-Jankro-Trio.

SPEAKER_02

Genau, genau, genau.

SPEAKER_04

Mit dem du ja auch auf dem Jazz-Truck beim Elp Jazz vor letztes Jahr. Letztes Jahr, jetzt, also ein halbes 2020 gespielt hast. Und jetzt hast du aber eine neue Band mit dem Namen Hedwig Jankros Dialect gegründet mit Tom Wendler an der Posaune, Tobias Frohnhöfer am Vibrafon Melanie, Streitmathe am Bass und Johannes Kalt am Schlagzeug. Wie kam es zu dieser Änderung zum Quintett?

SPEAKER_02

Also die erste Idee kam, glaube ich, dadurch, dass ich letztes Jahr, also als ich auf dem App Jazz mit dem Trio gespielt habe, und das noch gar nicht bei euch auf der Jazz Truck-Bühne über das Jazzbüro stattfinden sollte, sondern noch irgendwie am Anfang hieß es, wir spielen auf der Hochschulbühne. Da gab es mal die Möglichkeit der Option, dass wir uns irgendeinen Gast dazu einladen dürfen. Und nur dadurch habe ich so angefangen zu überlegen, okay, welche Instrumente fände ich denn cool dafür oder was würde ich denn da machen oder so rein musikalisch gesehen, was würde denn diesem Trio zusätzlich irgendwie gut tun. Und dadurch habe ich herausgefunden, dass irgendwie meine Lieblingsinstrumente, abgesehen vom Saxophon, selbstverständlich, Posaune und Vibrafon wären und ich das cool fände, damit ein Projekt zu machen. Und irgendwie kam ich dann darauf, also das mit dieser Option für den Gast, das war dann sowieso, das war wirklich nur so eine ganz, ganz vage Möglichkeit und mal so ein was in den Raum geworfen wurde. Und nur dadurch habe ich drüber nachgedacht, aber dann eben eigentlich dadurch gemerkt, dass das mal so ein Ziel wäre, ein Projekt zu machen, in dem eben genau diese Instrumente spielen, also quasi das Trio erweitert durch Vibrofon und Posaune. Und das heißt, der Plan dazu oder der Wunsch, das irgendwann zu machen, war eigentlich schon, weiß ich nicht, vor einem Jahr oder so da, als es LGS eben in die Planung ging. Und dadurch, dass ich aber noch so überarbeitet war letztes Jahr oder so viel gemacht habe, auch die Studievertretung in der Hochschule musste ich erstmal abgeben und mich irgendwie neu ausrichten. Dann hatte ich einen Unfall im Mai und war irgendwie, also es ging alles total langsam los in dem Jahr. Ja, hatte dadurch so lange den Wunsch, das irgendwann zu machen, aber nie so richtig die Kapazität dazu. Und die hatte ich eben jetzt erst so im September, Oktober. Genau. Und ich bin super froh, dass eben auch wirklich genau die Leute dabei sind, die ich als allererstes dafür im Kopf hatte und als allererstes gefragt habe und die alle direkt dabei waren.

SPEAKER_04

Es gibt auch schon für die Hörung. und Hörerinnen, die mal reinhören wollen. Es gibt zwei Videos auf deiner Homepage, zwei oder drei Videos in der Besetzung, die man sich anschauen und anhören kann. Das erste Stück trägt den Titel Families, wenn ich mich nicht irre. Ich fand es total spannend, weil ich habe mir das, hab mir das auch angeschaut natürlich. Und das ist so ein ganz repetitives Thema. Und ich habe mich dann gefragt, ob das im Gedanken dahinter was damit zu tun hat, dass es um die Dinge in Familien geht, die man einfach gemeinsam hat oder dass es so Dinge sind, die sich in Familienstrukturen immer wiederholen. Und dann gab es auch noch einen anderen Song, der heißt Inner Circle People. Und da habe ich mich dann auch gefragt, sind das dann auch die in der Familie oder sind das andere? Also ich habe mich viel darüber nachgedacht, weil es offensichtlich wirst du von Menschen inspiriert zu schreiben. Total. Und ist mein Tipp mit der Familie richtig.

SPEAKER_02

Passt, also zu dem zweiten Stück muss ich noch sagen, das heißt nicht Inner Circle People, sondern First Circle People. Und ja, also ist ja auch nicht relevant oder nur so ein bisschen. Und ja, die Vermutung, die du hattest oder diese Erklärung, die wäre schön. Oder ich wünschte mir so ein bisschen so ein bisschen, das wäre so, tatsächlich so eine Eingebung gewesen. Aber so krass war es bei dem Stück leider gar nicht. Das Stück hat so ein bisschen in einer anderen Form auch schon mal existiert. Und jetzt, als ich es dann eben nochmal, also da kamen dann noch Teile dazu und so, und jetzt, genau, Families habe ich es genannt, weil eher mich die Frage die ganze Zeit beschäftigt hat oder auch bei First Circle People ist es so, ich viel darüber nachgedacht habe, wer eigentlich die Leute sind, die so in meinem echsten Kreis sind und es gar nicht damit die biologische Familie unbedingt immer gemeint ist, sondern eben eigentlich, ja, ich es so faszinierend finde, wie sehr man sich in bestimmten Gruppierungen oder eben was man so für Leute trifft im Leben, die einem plötzlich total nahestehen oder ja, wie sehr man sich unterstützen kann, ohne dass man es so richtig weiß. Oder ja, auch so diese eigene Bewertung, die natürlich bei jedem total unterschiedlich sein kann, mit dem Inner Circle People. Das war eigentlich eine Frage, die ich mal von einer Psychologin gehört habe, in der es darum ging, oder so eine Struktur, sich klarzumachen, welche Menschen man eigentlich so im Umkreis hat. Und dafür malt man sich so Kreise in den inneren Kreis, in dem man sozusagen selber steht und dann ganz viele Kreise drumrum, wie bei so einer Zwiebel. Und in jeder Schicht ordnet man dann Menschen an, die man kennt. Und in dem innersten Kreis um sich selbst herum sind dann natürlich die Menschen, mit denen man am meisten zu tun hat oder denen so, ja, die einem selbst, aber auch denen man irgendwie sehr, sehr wichtig ist. Und dann geht das immer so weiter nach draußen bis zu den Leuten, mit denen man eben vielleicht nur so ein bisschen Kontakt hat, aber eigentlich denen jetzt auf die Frage, wie geht's dir eigentlich immer gut sagen würde. Genau. Und das Stück ist dann sozusagen den Leuten gewidmet, die so in den ersten zwei Kreisen vielleicht sind.

SPEAKER_04

Das ist schön. Das ist auf jeden Fall eine schöne Inspiration zum Musikschreiben. Ja, total. Und gibt es konkrete Pläne mit dem Quintett? Also jetzt zum Beispiel ein Album aufzunehmen oder planst du Konzerte zu buchen? Oder wie sind da deine Wünsche für die nächste Zeit? Oder gibt es schon konkrete Dinge?

SPEAKER_02

Weil wir haben jetzt im Dezember eben diese Videos aufgenommen. Das war noch total kurz vor der Weihnachtspause. Dann noch schnell am selben Tag, an dem wir aufgenommen haben, noch ein Fotoshooting gemacht. Also es war echt viel. Dann habe ich noch das letzte Konzert des Jahres gespielt mit einer anderen Band. Und dann, ja, das Ziel war irgendwie das ganze Material halt erstmal zu sammeln. Dann habe ich über Weihnachten die Videos ein bisschen geschnitten. Johannes, der Drummer aus der Band, hat die Aufnahmen gemixt, was auch total super geworden ist, finde ich. Und ja, dann habe ich mich jetzt so über die Feiertage mich damit beschäftigt, eben alles zusammenzusammeln und jetzt fange ich an zu bucken. Also es ist jetzt alles noch so in der Planung. Ich fände es total schön, dieses Jahr zu spielen. Wahrscheinlich wird es dann halt eher so die zweite Jahreshälfte, weil es jetzt alles andere schon relativ knapp ist. Aber schauen wir mal, was dabei rumkommt. Ich habe noch von nichts bisher konkrete Zusagen. Es gibt so ein paar Sachen, wo ich sehr, sehr hoffe. Ja. Aber glaube ich auch noch gar nicht so viel drüber sagen darf. Genau, und Aufnahmen schauen wir mal. Das wäre natürlich irgendwann total schön. Ich glaube nicht, dass es dieses Jahr passiert, weil darüber habe ich wirklich noch gar nicht nachgedacht. Aber irgendwann wäre es auf jeden Fall super schön. Also deswegen haben wir uns jetzt eben auch bei diesen drei Videos, die wir jetzt veröffentlicht haben, erstmal so viel Mühe gegeben, wie wir eben konnten, damit wir auch sagen können, okay, wir haben jetzt erstmal drei Videos, die wirklich ganz gut sind und wo man alles hören kann und dann doch eben mal drei Kameras hingestellt und nicht nur eine. Total. Damit man die erstmal benutzen kann, auch vor allem eben fürs Booking, aber auch so, dass man was vorzuzeigen hat. Und dann, ja, schauen wir mal, was noch kommt dieses Jahr.

SPEAKER_04

Ich glaube, die Art und Weise, wie du das gemacht hast, ist auch eigentlich gerade für den Anfang mit das Praktikabelste und Smarteste, wie man es lösen kann, weil direkt ein ganzes Album aufzunehmen, kostet einfach Geld, muss man ehrlich sagen. Und auch dann Dinge außenrum, je nachdem wie man es aufziehen möchte, dann gleich mit Promo und Label, ja nein und die ganzen Fragen, die sie stellen. Aber einfach erstmal sehr gutes Live-Material aufzunehmen, wo man euch auch sieht und wahrnimmt, wie was das für eine Band, was für ein Gefüge das ist. Und einfach für viele VeranstalterInnen ist es ja auch ein Unterschied, ob man ein Album zugeschickt bekommt, wo ja dann auch manchmal Overdubs gemacht werden oder wo es vielleicht gar nicht so einer Live-Situation entstanden ist. Und ihr habt einfach halt jetzt was aufgenommen, was einfach halt authentisch darstellt, wer ihr seid und was ihr macht. Und ich glaube, das ist eigentlich ziemlich ideal, das am Anfang direkt so anzubieten. Und gute Fotos schaden auch nie, auch schon vorsorglich für die Programmhefte dafür. Oder für, um es in den sozialen Medien zu verwenden. Ja, genau.

SPEAKER_02

Es war mir schon wichtig, da irgendwie gutes Material zu haben, was auch professionell aussieht, dass ja ich einfach irgendwie vor nichts mich verstecken muss oder ja beim Booking einfach sagen kann, okay, hier, das sind wir und dazu stehe ich auch wirklich irgendwie 100 Prozent.

SPEAKER_04

Aber auch da hilft dir bestimmt total deine Tätigkeit bei der Jazzverteilung, weil du ja auch gewohnt bist, dich mit Material anderer Leute auseinanderzusetzen.

SPEAKER_02

Ja, es wird mir wirklich regelmäßig immer wieder klar, wie sehr mir das geholfen hat und wie dankbar ich eben auch bin, wie gesagt, dass ich in der Jazzkitchen auch, als ich da ankam und eben noch nicht so viel wusste, so viel auch lernen durfte. Und jetzt funktioniert es halt alles irgendwie ganz gut. Ja. Und ja, und natürlich ist auch hilfreich, als VeranstalterInnen, das würde ich halt sowieso deshalb allen eigentlich ans Herz legen, irgendwie irgendwann mal so ein bisschen da reinzuschauen, wie es ist, als VeranstalterInnen in der Szene zu arbeiten, in der man sonst eben immer nur Musik macht. Oder auf der anderen Seite eben sich aufhält.

SPEAKER_04

Das macht auf jeden Fall auch was mit einer Anspruchshaltung, die man manchmal als MusikerInnen an den Tag legt.

SPEAKER_02

Genau, genau, einerseits das und dann eben auch, okay, was, ja, also so, oder diese Zuarbeit auch, wenn Bands Anfragen schicken, so was kommt da eigentlich rüber? Ist da überhaupt ein Foto dabei oder ist da überhaupt irgendwas? Und wie ist es geschrieben? Oder also ja, es gibt so viele Sachen, über die ich jetzt mich aufregen könnte, aber dazu bin ich, glaube ich, nicht hier.

SPEAKER_04

Das müssen wir jetzt hier auch nicht tun. Du hast neben deiner Band auch noch verschiedene Projekte, in denen du mitspielst. Auf deiner Homepage nennst du unter anderem Strunk, das ist die Band von Finn Klaus, dem Assist. Chanzu Arad Group, das Philipp Rumsch-Ensemble, die Nordwest Big Band, die Georg Nürnberger Unlimited Edition, das ist ein Large Ensemble oder auch eine Big Band auf eine Big. Und beim Landesjugendartsorchester Sachsen spielst du ja dann jetzt nicht mehr.

SPEAKER_02

Genau, da bin ich jetzt seit ja, habe ich mich jetzt ein bisschen rausgezogen.

SPEAKER_04

Wenn jemand HET, wie ich gerne live spielen hören möchte, ich habe zumindest die Termine, die auf deiner Homepage aktuell stehen, habe ich mal mit rausgenommen und würde die mal einmal vortragen. Klar, das ist zum einen in Leipzig am 15. März mit dem Philipp Rumschens. Dann mit Chanzu Arad spielt er ein Familienkonzert in der Jazz Hall. Das ist vermutlich dann am späten Nachmittag. Am 23. März. Ja, ich glaube, so am frühen Abend.

SPEAKER_02

Uhr oder so. Ich würde nichts drauf verwetten, am besten einfach nur mal auf die Webseite schauen, genau.

SPEAKER_04

Das am 23. März, dann am 29. März spielst du mit dem European Jazz Laboratory, auch in der Jazz Hall in Hamburg. Und dann am 4. April mit Strunk in der Jazz Kitchen in Hamburg. Gibt es sonst doch irgendwas, auf was du gerne hinweisen möchtest?

SPEAKER_02

Also ich kann natürlich immer auf die auch so auf die Konzerte der Jazz Kitchen verweisen. Das ist sehr nett von dir. So ganz uneigennützig. Wir freuen uns total, dass die Publikumszahlen jetzt auch wieder ein bisschen hochgegangen sind. Wir haben uns nach der Sommerpause echt ein bisschen Sorgen gemacht. Ja. Und die Konzerte in der Jazz Kitchen finden an jedem ersten Freitag des Monats statt. Und in welcher Location? Im Brückenstern in Hamburg. Es ist ein ganz kleiner, schöner Laden an der Sternbrücke. Und ja, dazu würde ich immer einladen, weil es ist immer super ein super Vibe, auch gerade wenn man irgendwie mal zu viel hat von dieser zu manchmal konzertanten, Konzerthallen-Atmosphäre, die es halt in der Jazzhor ja auch eher ist oder in der Elpharmonie braucht man nicht drüber reden, ist manchmal einfach schöner ist, in einem vollen Laden zu sein, wo man direkt mit Leuten ins Gespräch kommt. Das ist, glaube ich, auch das, was mir an der Jazzkitchen so gefällt.

SPEAKER_04

Und du machst auch, glaube ich, oft, wenn du auf die Konzerte hinweist in Social Media und postest immer Werbung damit, dass man dich auch an der Kasse antreffen kann.

SPEAKER_02

Genau, also ich poste eigentlich immer auch die Sachen, die ich eben, wo ich nicht spiele, wo ich aber trotzdem bin, weil ich ein Konzert betreue. Weil ich es einfach schön finde, vor allem das habe ich jetzt durch die Rolle in der Jazz Federation eben gemerkt, einfach so auch gerade in dieser VeranstalterInnen-Rolle bei einem Konzert zu sein, da irgendwie mit dazu beizutragen, dass es stattfinden kann und dann auch da mit Leuten ins Gespräch zu kommen. Das ist total schön. Deswegen, genau, verweise ich auch gerne auf alle Jazz Federation Konzerte oder ja, weil man mich da natürlich am meisten antrifft, auch auf andere Konzerte in der Hamburger Szene, aber da bin ich dann eben seltener. Geht einfach auf Konzerte. Genau, so, danke.

SPEAKER_04

Genau, aber sonst guckt auf Hedwigs Homepage vorbei.

SPEAKER_02

Genau, da kommen hoffentlich noch ein paar Termine dazu für dieses Jahr, bestimmt, aber ist alles noch in der Planung, deswegen lohnt sich da immer mal vorbeizuschauen. Auf Instagram teile ich eigentlich auch immer alles. Das sind so meine zwei Plattformen.

SPEAKER_04

Ja, ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute auch für das Studienjahr und dass du da die Zeit, die du dir da jetzt so ein bisschen erarbeitet hast, so auch ein bisschen für dich nutzen kannst und da alles entwickeln kannst, was du vorhast für das Jahr und auch halt einfach das Studium noch ein bisschen genießen kannst, weil es ist ja auch eine Zeit, die danach so auch nicht mehr wiederkommt. Das stimmt. Und ja auch mit der Lage der Hamburger Musikhochschule noch dazu, direkt an der Alster. Da gibt es schlimmere Orte.

SPEAKER_02

Das vergisst man aber manchmal, wenn man eben nur in der Hochschule ist und dann manchmal gehe ich dann so raus an die Alster und mich so, oh, wann war ich das letzte Mal hier?

SPEAKER_04

Ja, also ich hoffe, dass du das so gut wie möglich genießen kannst mit allem drum und dran und bedanke mich sehr, dass du da warst und dir die Zeit genommen hast. Ja, vielen Dank für die Einladung. Sehr gerne. Danke. Und an die Hörer und Hörerinnen, vielen Dank fürs Zuhören. Ich gebe mir Mühe, dass die bis zur nächsten Folge, dass es nicht wieder so lange dauert wie jetzt. Und gehe aber davon aus, dass die nächste Folge wahrscheinlich dann erst Anfang Mitte März kommt und möchte euch deswegen energisch auffordern, wählen zu gehen. Oh ja. Die Bundestagswahl findet, für alle, die das noch nicht mitbekommen haben, am 23. Februar stattfindet. Und wir wissen alle, um was es gerade geht. Ich würde mal behaupten, dass die meisten Menschen, die sich mit Jazz beschäftigen, sei es spielender oder hörenderweise eigentlich sich irgendwo in einem demokratischen Spektrum befinden, weil Jazz eigentlich nicht anders funktioniert. Ich möchte jetzt hier oder werde auch nicht Werbung für bestimmte Parteien machen. Jazz ist aber eine Musikart, die meiner Meinung nach von Diversität und Pluralismus und verschiedenen kulturellen Einflüssen und auch verschiedenen Musikstilen lebt. Und das funktioniert einfach auch nur in einer Umgebung, in der das gefördert und unterstützt wird.

SPEAKER_02

Ja, stimme ich absolut zu. Vielleicht sollten auch alle JazzmusikerInnen in Hamburg sich den Termin mit auf die Website schreiben, so zu allen anderen Terminen zu. Sonntags spielen wir eh wenigstens.

SPEAKER_04

Das stimmt. Insofern bis zum nächsten Mal und vielen Dank. Tschüss.

SPEAKER_05

Tschüss.